Berlin : Kurzmeldungen

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Es ist schon ein bisschen merkwürdig.“ Bernd Ludwig sitzt versonnen auf einem Hocker in der Mitte des Raumes, der seinem früheren Arbeitsplatz gewidmet ist: dem „Teatr Kreatur“ in einer Fabriketage am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg. Regisseur Andrej Woron hat es gegründet und geprägt – aber das freie Theater gibt es seit Juli 2003 nicht mehr. Viele Requisiten landeten bei Liebhabern, doch was die Stiftung Stadtmuseum retten konnte, wird nun im Nicolaihaus gezeigt. Und Schauspieler Bernd Ludwig traut sich kaum, die skurrilen, aus Trödel gebastelten Objekte anzufassen, mit denen er einst auf der Bühne zu tun hatte.

Sie sind ja nun Ausstellungsstücke. Beispielsweise dieser hölzerne, hüfthohe Schrank, in dem er als Ritter von König Artus Tafelrunde kauerte, bevor er sein gleichfalls hölzernes Pferd unter den Arm klemmte. Dann spielten die rund 20 Darsteller und Tänzer gerade ihr Stück „Merlin“. Sie waren ein lärmendes Völkchen, das bizarre, grelle, aber auch melancholische Bildertableaus schuf. Nichts ging mit rechten Dingen zu. Deshalb schleppten manche blassgeschminkte Akteure puppenartige Ebenbilder mit sich herum. Ihr zweites Ich. Ludwigs Abbild umarmt gerade in einer Museumsecke das Ebenbild eines Kollegen. Er nimmt die Gestalt auf die Knie wie einen Zwillingsbruder.

Der 59jährige Berliner inszeniert auch eigene Produktionen und hat in der Volksbühne oder im Renaissance-Theater gespielt – doch das Teatr Kreatur faszinierte ihn auf besondere Weise, seit es 1990 gegründet wurde. Zumal er dort nicht nur einmal sich selbst begegnete. Erhalten ist eine Figurine: Bernd Ludwig als Kaufmann Block in Kafkas „Prozess“. Statur und Gesicht wie kopiert – bis zur Charakternase.

Am liebsten würde er die Figurine ja ins eigene Wohnzimmer entführen. Als Erinnerung ans Teatr Kreatur. Fällt es schwer, im Museum Abschied von einem solchen munteren Arbeitsplatz zu nehmen? Der Schauspieler zwängt sich zum Spaß nochmal ins Ritterschränkchen. „Alles hat seine Zeit“.

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