Berlin : Kurzmeldungen

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Einen Marienkäfer und einen Fliegenpilz hat Ingrid Böttcher noch im Fundus. „Die bring’ ich demnächst vorbei“, sagt sie – „damit unser Palast möglichst komplett präsentiert wird.“ Dieser Besuch ist für sie auch ein Wiedersehen mit dem Mistkäfer – dunkelblau schillert sein Seidenkostüm, 1976 hat sie ihn erstmals im Kinderstück „Trixi und der Drache“ auf die Bühne gebracht, doch auch später surrte er in den traditionellen Kinderrevuen des Friedrichstadtpalastes umher, zusammen mit Ingrid Böttchers diversen anderen Krabbeltieren. Immerhin arbeitet die 56jährige Kostümbildnerin seit 1972 an der Friedrichstraße, sie entwarf bis heute nahezu alle Ausstattungen für Kinder-, Jugend- und Abendvorstellungen und ist seit 1998 Kostümdirektorin.

Bis ins Detail malt sie seit mehr als dreißig Jahren eine Vorlage für jedes Kostüm, beispielsweise für die große Abendrevue „Wunderbar“ im Jahr 2002. Und nun erklärt sie einige dieser Figurinen, als wären sie erst gestern fertig geworden. „Hier, ein Reifrock aus Papier, der musste sich wie ein Kreisel um die Hüfte drehen.“ Brokatstückchen mit applizierten Perlen, Seiden- und Stoffreste kleben als Materialproben für die Schneiderei neben den Figuren. Ingrid Böttcher hat sie im riesigen Stofflager des Friedrichstadtpalastes ausgewählt.

Und was ist ihr Lieblingskostüm? „Bitte sehr“, sagt sie und weist zu einige Schaufensterpuppen, die offenbar auf dem Weg zum Tanz der Vampire oder einer Modenschau für Spukgestalten sind. Grünlich schillert der Satin auf Schultern, weißer Tüll und blaue Seide verhüllen die Tänzerinnen bis zu den Zehen – und die Putzmacherinnen haben auf den Köpfen skurrile Meisterwerke vollbracht.

Es ist das Gespenster-Ballett aus der Abendrevue „Cinema“ von 1996. „Jede dieser 30 Tänzerinnen hatte ein individuelles Kostüm“, erinnert sich ihre Schöpferin. Ingrid Böttcher wird die Premiere nie vergessen: „Es war wie ein Hauch, als sie auf die Bühne kamen.“

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