Berlin : Kurzmeldungen

Claudia Keller

PRO

Jedes Jahr gibt die Bundesregierung viel Geld aus für die Vorbeugung von gesundheitlicher Schäden. Eine eigene Bundesanstalt beschäftigt sich damit, die Deutschen aufzuklären. Ihre Kampagne für die Benutzung von Kondomen hat es in den vergangenen 20 Jahren geschafft, das Gummi aus der Scham- und Schmuddelecke heraus ins Bewusstsein moderner Menschen zu holen. Die roten, blauen und grünen Kondome, die an jeder Ecke von Plakatwänden leuchten, sind fast zu einem niedlichen lustigen Accessoire geworden. Ist es da nicht konsequent, auch in Oberschulen Kondom-Automaten aufzuhängen? Die Jugendlichen könnten sich sexuell unter Druck gesetzt fühlen, fürchten die Gegner. Möglich, dass das zu Beginn der Fall ist, wenn die Automaten noch etwas Außergewöhnliches in den Schulgebäuden sind, etwas, über das man kichert und spricht. Nach einer Weile werden sich alle an den Anblick genauso gewöhnt haben wie einst an den von Computern. Und ebenso wie sich 15-Jährige heute selbstverständlich per Mausklick in ferne Galaxien befördern, könnte sich, wenn sie jeden Tag an den Automaten vorbeikommen, in ihren Köpfen als Selbstverständlichkeit festsetzen, dass Sexualität mit der Benutzung von Kondomen zu tun hat. Dann hätte die Aids-Prävention gewonnen und vermutlich würden dann auch weniger Mädchen ungewollt schwanger. Dieser Wandel im Bewusstsein geht nicht von heute auf morgen, aber von morgen auf übermorgen – wenn man heute die Voraussetzungen schafft.

CONTRA

Kondome gibt es überall zu kaufen, in Apotheken, Drogerien und inzwischen fast in jedem Supermarkt. Das weiß doch heute jedes Kind. Nur bei einigen Erwachsenen scheint es noch Aufklärungsbedarf zu geben. Bezirkspolitiker von SPD und Grünen wollen mit Kondom-Automaten an Charlottenburger Oberschulen für die Benutzung von Gummis werben. Der Automat soll richten, was Eltern und Lehrer offenbar versäumen: Kindern und Jugendlichen einen unverkrampften und verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität zu vermitteln. Das kann ein Automat aber nicht.

Erwachsene sollten lieber regelmäßig die „Bravo“ lesen, um zu erfahren, was Kinder und Jugendliche zum Thema Sex interessiert. Dort beantwortet das „Dr. Sommer-Team“ seit Jahrzehnten Fragen, die Menschen zwischen 12 und 18 Jahren ihren Eltern und Lehrern nicht zu stellen wagen: Ist Onanie schädlich? Warum habe ich noch keine Schamhaare? Wann ist die richtige Zeit fürs erste Mal? Wer diese Fragen auch in Elternhaus und Schule thematisiert, tut mehr gegen ungewollte Schwangerschaften bei Minderjährigen und die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten als mit der Aufstellung von Kondom-Automaten in der großen Pausenhalle oder vor dem Lehrerzimmer. So lange falsche Scham verhindert, offen über Sex zu reden, werden Jungen und Mädchen sich dort zuletzt mit Kondomen versorgen. Eher landen die Gummis aufgeblasen und mit Wasser gefüllt in den Schülertoiletten und verstopfen die Abflüsse. Stephan Wiehler

WAS MEINEN SIE?

Sollen an Berliner Schulen Kondom-Automaten aufgestellt werden?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.tagesspiegel.de /ted

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