Berlin : Kurzmeldungen

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HINTER DEN KULISSEN

Die amtierende Regierende Bürgermeisterin am Dienstag war Justizsenatorin Karin Schubert. Sie vertrat den in Mexiko weilenden Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und dessen ersten Stellvertreter, den durch Polen reisenden Wirtschaftssenator Harald Wolf. 75 Minuten dauerte die Senatssitzung bloß, und es wäre unfair, dies mit Themenmangel zu erklären. Die Senatorin hatte vielmehr den Eindruck, konzentriert, konstruktiv und konsequent regieren zu können, weil der Senat an diesem Morgen mehrheitlich aus Senatorinnen und Staatssekretärinnen bestand. Mindestens so schön wie das Regieren soll die Justizsenatorin einer Vertrauten zufolge das Repräsentieren gefunden haben: Als Regierende begrüßte sie am Flughafen Tegel mit Blumen die Fußballweltmeisterinnen, die von der Feier auf dem Frankfurter Römer nach Hause zurückkehrten. Für Tage wie diese wird der Senat in die Geschichte des „Gender Mainstreaming“ eingehen – neudeutsch für das altdeutsche Wort „Frauenemanzipation“. Hinter dem Steuer des Schubertschen Dienstwagens sitzt allerdings ein Mann.

Wie immer man das nennt, was derzeit in der BundesFDP abläuft – Dekonstruktion eines Vorsitzenden, Rekonstruktion eines Vorsitzenden, Frischzellenkur, Reformer-Reform –, der Berliner FDP-Fraktionschef Martin Lindner gehört zu denen, die diesen Prozess in Gang gesetzt haben. Pflichtschuldigst war er auch im Urlaub auf Gran Canaria stets erreichbar für alle, die wissen wollten, wie die Liberalen in der Publikumsgunst wieder über das erste Drittel von 18 Prozentpunkten hinauskommen wollen. Wer mit Lindner sprach, konnte im Hintergrund seine Söhne hören. Die beiden lernen Wesentliches: Väter haben Handys – und wer damit konkurrieren will, muss auf jeden Fall lauter sein.

Als ein freundlicher Wachtmeister vor kurzem den grünen Abgeordneten Özcan Mutlu morgens um vier aufforderte, sein Auto aus einer Parkverbotszone zu entfernen, konnte der ganz cool bleiben: Sein Auto stand woanders – der Polizist hatte den falschen Özcan Mutlu angerufen. Doch Mutlu war offenbar nachhaltig beeindruckt von dem Bürgerservice. Kaum vorstellbar, wie es die grüne Partei verändern würde, wenn alle mal falsch parken und nicht abgeschleppt würden. wvb.

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