Berlin : Kurzmeldungen

Werner van Bebber

CONTRA

Das ist der Charme der Bezirkspolitik: Bezirksverordnete denken große Gedanken über die Frage, ob Spaziergänger auf einem Boulevard in der Lage sind, um den Vorbau eines Cafés oder eines Restaurants oder Eislokals herumzubummeln. Schwere Frage. Der Charlottenburger Baustadtrat kennt die Antwort: Nein, die Umgehung eines Vorbaus, in dem sich Leute ein Eis kaufen können, ist nicht länger zumutbar. Womöglich geht der Häagen Dazs-Eisladen darüber bankrott – aber darauf kommt es in einer Stadt mit 300 000 Arbeitslosen nicht an. Hauptsache, man hat Paragraf eins der Berliner Politik befolgt, demzufolge Probleme grundsätzlich, prinzipiell und einheitlich zu lösen sind. Auf den Kurfürstendamm angewandt: Es darf nicht ein paar Vorbauten geben, sondern nur viele oder keinen. Früher hatten mehr Restaurants diese gläsernen Gasträume, die wohl niemand jemals schön fand, die aber das Leben auch im Winter auf die Straße gezogen haben. Es soll auch nur selten vorgekommen sein, dass Spaziergänger die Vorbauten rammten, weil sie meinten, die gehörten dort nicht hin. Nun ist die Vorbau-Mode im Schwinden, und der Baustadtrat könnte abwarten und sich um Spielplätze oder Schulen oder die Frage kümmern, wie breit die Café-Besitzer im kommenden Sommer Tische und Stühle auf den Ku’damm stellen dürfen. Aber er und ein paar Bezirksverordnete haben mit der grundsätzlichen Regelung der Frage zu tun, wie man in einer Großstadt an Schaufenstern vorbeizuspazieren hat.

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