Berlin : Kurzmeldungen

Ingo Bach

PRO

Man könnte es sich auch einfach machen und sagen: Das Baurecht gilt für alle. Und wenn jeder private Häuslebauer – und auch der Bauherr von solch geheiligten Dingen wie Moscheen – die Auflagen der Genehmigungsbehörde erfüllen muss, dann kann man das wohl auch von den Gewerbetreibenden am Ku’damm verlangen. Gerade in Fall des Eiscafés hat das Bezirksamt jahrelange Geduld bewiesen – der Bescheid zum Abriss kam nun wirklich nicht überraschend. Sondern eigentlich nur überraschend spät. Doch die Abneigung gegen die mehr oder minder modernen Vorbauten an manch altem Gebäude hat mehr als rein rechtliche Gründe: ästhetische zum Beispiel. Denn, ehrlich gesagt, vermitteln die auf den Bürgersteig ragenden Stahl- oder Holzkästen allenfalls das Flair von Provinz-Fußgängerzonen der 70er Jahre. Einem Weltstadt-Boulevard werden sie nun wirklich nicht gerecht. Und schließlich zählen auch rein praktische Erwägungen. Die „überbauten Terrassen“ zwingen die Passanten zu einem Hindernislauf der besonderen Art, wenn sie an den Schaufenstern entlangbummeln. Regelmäßig staut sich der Verkehr der Flaneure an den Hindernissen. Viele übersehen die Läden in der Nachbarschaft, die auf ähnlich schreiende Werbung vornehm verzichten. Man stelle sich nur einmal vor, auf den Gehsteigen Unter den Linden ragten plötzlich Vorbauten in den Strom der Touristen – oder in der Friedrichstraße. Also weg mit den Dingern! Freie Bahn für Flaneure – und für das Baurecht.

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