Berlin : Kurzmeldungen

Sabine Beikler/

HINTER DEN KULISSEN

Das Strandbad Wannsee hat schon bessere Tage erlebt, und als der Sportausschuss am Mittwoch auf Besichtigungstour ging, hat keiner der Parlamentarier die Badehose eingepackt. Die Saison ist vorbei und das Bad wenig einladend; Geld für eine Sanierung ist auch nicht zu finden. Das stimmte den CDU-Abgeordneten Michael Braun traurig; immerhin gehört Wannsee zu seinem Wahlkreis und manche seiner Wähler würden im Sommer sicher gern hier schwimmen gehen. Also strengte Braun sich an, lud die Kollegen aus dem Parlament nach der ergebnislosen Inspizierung des Strandbads sogar zu Kaffee und Kuchen ein. Ein paar Kollegen kamen gern noch mit; von der CDU, der FDP und auch der PDS-Abgeordnete Walter Kaczmarczyk. Ein starker Vertreter der sozialistischen Arbeiterbewegung, der sein Mandat in Treptow geholt hat. Man unterhielt sich so, kam ein wenig in Streit und dann offenbarte Kaczmarczyk, was der alteingesessene Zehlendorfer Braun gar nicht glauben wollte. Der PDS-Mann wohnt seit zwei Jahren – in Wannsee. „Das ist ja Republikflucht", entfuhr es Braun.

Der Nord-Süd-Konflikt und die Folgen der Globalisierung sind seit den Zeiten Willy Brandts ein Thema der SPD, von dem sie auch in Zukunft nicht lassen wird. Zwar haben die Berliner Sozialdemokraten zurzeit noch andere Sorgen; auf dem Landesparteitag am Sonntag wird der Streit um die Kita-Kosten eine viel größere Rolle spielen, aber trotz aller kommunalen und hauptstädtischen Sorgen ließ die Antragskommission gleich mehrere Anträge wohlwollend passieren, die sich mit dem Kaffeetrinken beschäftigen. Aus dem Kreisverband Mitte, aber auch aus dem SPD-Landesvorstand wird die Selbstverpflichtung an die Partei herangetragen, auf SPD-Konferenzen, in der SPD-Zentrale in der Müllerstraße, im Bundestag, in den Rathäusern und Betriebskantinen der öffentlichen Verwaltung nur noch fair gehandelten Kaffee, Tee und Schokolade auszuschenken. Die Antragskommission empfiehlt Zustimmung.

Vor ein paar Tagen wollte FDP-Fraktionschef Martin Lindner am Gendarmenmarkt zu Mittag essen. Der Liberale hatte einen Mordshunger und bestellte in dem italienischen Restaurant „Malatesta“ ein Menü. Allerdings hatte Lindner einen kleinen Extra-Wunsch: Er bat statt der Suppe um eine halbe Portion Pasta. Daraufhin ranzte ihn der Kellner an: „Die Menüs gibt es unverändert.“ Lindner, der sogar ein paar Euros Aufpreis für die halbe Nudel-Portion gezahlt hätte, war über diese „Freundlichkeit“ so verdutzt, dass er sich verstohlen umdrehte. „Bin ich hier bei der Versteckten Kamera“, dachte sich der FDP-Politiker und verließ dann das Lokal. „Dagegen ist ja jede Behördenkantine ein Flexibilitätsparadies“, empörte sich Lindner noch Tage später.

Dem Grünen-Schulpolitiker Özcan Mutlu wurde es am Freitag ganz schön mulmig, als er vor der Lina-Morgenstern-Gesamtschule in Kreuzberg vorfuhr. Einige Jugendliche standen am Schuleingang und zeigten auf ihre Muskelpakete. Mutlu kam jedoch in friedlicher Absicht: Die Grünen-Fraktion schenkte der Schule sechs große Computer-Monitore. Mutlu ging also zu den Jugendlichen hin – und wurde von ihnen freundlich begrüßt: „Jetzt können wir unsere Muskeln sinnvoll einsetzen“, sagten die Jungs und transportierten die Bildschirme vor den Augen des verdutzten Politikers ins Schulgebäude.

Ulrich Zawatka-Gerlach

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