Berlin : Kurzmeldungen

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PRO

Was gab das in den Siebzigern für Diskussionen und einen Aufschrei der Öffentlichkeit: Wenn das wirklich Gesetz wird, ist das ein Eingriff in meine Privatsphäre! Wie ich Auto fahre, ist doch, bitte schön, meine Angelegenheit! Inzwischen ist die Anschnallpflicht im Wagen längst eine Selbstverständlichkeit, und niemand würde sich mehr darüber aufregen: Erst gurten, dann starten. Unzählige Autofahrer haben dem Gurt seither ihr Leben zu verdanken. Mit der Rauchmelderpflicht in Wohnungen verhält sich das genauso. Auf den ersten Blick mögen sich die Gemüter erhitzen und die Initiative der Grünen zur Änderung der Bauordnung als staatliche Regulierungswut abkanzeln. Doch manchmal muss etwas Gesetz werden, damit die Leute es ernst nehmen. Denn hier geht es nicht um Absurditäten in der Bauordnung wie etwa den Abstand, mit dem Kleiderhaken an Kitawänden hängen dürfen. Hier geht es um Menschenleben. 90 Prozent aller Brandopfer, die die Feuerwehr aus kokelnden Ruinen birgt, könnten noch am Leben sein, hätte sie dieses winzige piepsende Ding rechtzeitig vor dem Rauch gewarnt. Nein, ihr Skeptiker, diese Geräte sind inzwischen wirklich so modern, dass sie nicht bei jedem vergessenen Braten im Backofen anschlagen. Ja, ihr AntiTechniker mit zwei linken Händen, es reicht sogar, Rauchmelder dicht unter der Decke auf einen Vorsprung zu legen. Dass so eine Vorschrift Sinn macht, haben die USA schon bewiesen. Auch in Berlin darf sich der Vorstoß zum Brandschutz per Gesetz nicht in Rauch auflösen. kög

CONTRA

Rauchmelder sind überaus nützlich und können Menschen das Leben retten. Wer das begriffen hat, kann sich im Baumarkt für ein paar Euro das Warngerät kaufen und in die eigene Wohnung einbauen. Es ist gar nicht nötig, diese Art von Lebensrettung staatlich zu verordnen. Wer die eigene Sicherheit hoch schätzt, kann es sich vom Kettenhund über das Stangenschloss und den Rauch- und Feuermelder bis zum erdbebensicheren Fundament und Panzerglasscheiben zu Hause so richtig gemütlich machen. Das ist überhaupt nicht lustig gemeint. Es gibt ängstliche Menschen und es gibt sorglose Charaktere. Jedem sollte anheim gestellt sein, für das eigene Wohl im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu sorgen. Es wäre auch völlig in Ordnung, wenn Versicherungsgesellschaften mit kleinen Nachlässen auf die Versicherungsprämie jene belohnen, die sich Warnanlagen jeder Art in die Wohnung einbauen. Aber es geht um den Selbstschutz; der muss nicht gesetzlich verordnet werden. Das deutsche Baurecht ist jetzt schon so wahnsinnig kompliziert, dass es an ein Wunder grenzt, dass auf legalem Weg überhaupt noch bezahlbare und bewohnbare Gebäude errichtet werden können. Die Pyramiden wären nicht durch das Nadelöhr unserer Bauordnung gegangen. Und wenn der Rauchmelder zur Pflicht wird, muss dann nicht auch die Haushaltsleiter verboten werden? Da kann man beim Fensterputzen herunterfallen und sich das Genick brechen; so was kommt täglich vor. za

WAS MEINEN SIE?

Sollen Rauchmelder in Wohnungen gesetzlich vorgeschrieben werden?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.tagesspiegel.de /ted

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