Berlin : Kurzmeldungen

Immer mehr Gemeinden entdecken die Gospelmusik. Und die Zahl der Chöre steigt, die solche Rhythmen im Repertoire haben. Heute spielt eine Profi-Truppe aus Oslo Das swingende Kirchenschiff

Sven Schade

Finger schnipsen, Füße wippen, und kräftige Stimmen intonieren eingängige Melodien. Und das alles in der Kirche: Gospelmusik findet immer mehr Anhänger. In Berliner Kirchengemeinden wird immer häufiger der etwas modernere Sound sakraler Musik angestimmt. Ein Trend, der schon seit Jahren anhält. Doch während früher lediglich einige Kirchenchöre ihr Repertoire um zwei, drei fröhliche Spirituals erweiterten, trifft man heute unter den Laien auf eine breite Bewegung begeisterter Gospelsänger. Doch meistens singen sie für sich allein. Christoph Zschunke, Kirchenmusiker der evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord und Rolf Tischer, der Beauftragte für Popularmusik der evangelischen Landeskirche wollen das ändern. Auf www.berlin-gospel-web.de sind derzeit 50 Chöre aus Berlin und Umgebung eingetragen: Vom „Berliner Soulchor“ Charlottenburg über die „Fraggel Singers“ Tempelhof bis zum „Gospellight“ der Kirchengemeinde Babelsberg.

Gospels kann man in der einfachsten Form einstimmig singen. „Es geht mehr aus dem Bauch heraus“, sagt Zschunke: „Dabei kommen den Leuten die englischen Texte sehr entgegen.“ Anscheinend gehen die biblischen Botschaften so leichter über die Lippen. Doch erfahrungsgemäß kommt der größte Spaß immer dann auf, wenn die Halleluja-Verse rückübersetzt werden und alle Sänger aus voller Brust gemeinsam loslegen. So hat sich der 1996 von Gemeindepädagogin Ulrike Urner gegründete Chor der Stephanus-Gemeinde Zehlendorf bezeichnenderweise „Joyful Noise“ genannt. Dort singen zur Zeit 40 Mitglieder im Alter zwischen zehn und 54 Jahren. Mehrere Generationen musizieren zusammen. Auch das ist typisch für Gospel.

Der Ökumenische Kirchentag im Sommer hat die Gospel-Bewegung enorm vorangebracht. Es gab nicht nur viele Konzerte, sondern die Macher konnten auch Kontakte knüpfen. Spätestens da war für Zschunke und Tischer klar, dass man Workshop-Angebote, Informationen zu Tourneen und Konzerten am besten über ein Online-Forum koordinieren kann. Ein Schritt in Richtung Marketing, der letzten Endes nicht nur der Musik, sondern auch den Gemeinden hilft.

Professioneller Gospel ist international schon ein großer Markt. In den USA sucht man in monatlichen Gospel-Charts nach den besten Songs. Und in Europa ist nach wie vor der 1988 gegründete „Oslo Gospel Choir“ auf Erfolgskurs. Zusammengenommen haben sich die 15 Alben der norwegischen Gruppe über eine Million Mal verkauft. Das Ensemble unter der Leitung von Komponist Tore W. Aas zeigt seit Jahren, dass Gospel ein berauschendes Konzerterlebnis sein kann. So wird’s wohl auch heute sein, wenn der Chor in der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg Station macht. Darüber freut sich Zschunke: „Die Profis sind natürlich ein Vorbild.“ Sein eigener Chor „Spirited“ besteht aus Profis und Laien. Einige Sänger kommen von der Kunsthochschule, andere sind Gospelfreude ohne musikalische Ausbildung. Spirited sang schon im Paul-Löbe-Haus, als das Kulturprogramm zur Fußball-WM 2006 gestartet wurde. Vielleicht ist das ein Anzeichen für einen größeren Durchbruch. Schließlich hat der Oslo Gospel Choir bei den Winterspielen in Lillehammer den Olympia-Song intoniert - gemeinsam mit der Sängerin Sisse. Vom Herrgott und dem, was er dir Gutes tut, dürfte bei den Sport-Events dann allerdings weniger die Rede sein.

Oslo Gospel Choir, heute. 20 Uhr. Gethsemanekirche, Stargarder Straße, Prenzlauer Berg. Eintritt: 19 Euro. Freie Platzwahl. Internet: www.berlin-gospel-web.de ; www.gospel.de

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