Berlin : Kurzmeldungen

Deko aus Thailand, Fisch aus dem Eismeer und Gäste aus aller Welt: Heute Abend ist Bundespresseball. Wir zeigen, wie und wo gefeiert wird – ohne den Kanzler. Zum Imbiss an die Garderobe

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Bei so einem Fest der Superlative weiß man gar nicht, wo anfangen. Vielleicht bei den vier extra aus Thailand eingeflogenen Buddhas, jeweils 1 Meter 80 hoch und mit Blattgold belegt. Wo sie stehen werden, um heute Abend der fünften „Nacht des Lächelns“, eigentlich Bundespresseball einen kräftigen asiatischen Anstrich zu geben, war aber gestern nicht in Erfahrung zu bringen. „Kann grad nicht reden… bin auf ’ner Leiter… ziemlich weit oben…“, japste Oberdekorateurin Tanja Hellmann am Nachmittag ins Telefon; sie arbeitet schon seit vergangenem Sonntag daran, den DekoEtat von 114 000 Euro zu verschmücken. Aber da bleibt doch wenigstens ein Geheimnis am Fest mit den ellenlangen Statistiken, bevor die Lawine der Austern anrollt und den Gast begräbt: 5000 Stück hat Interconti-Küchendirektor Klaus Beckmann bestellt. Und dann (unter anderem) noch 300 Kilo Eismeerkabeljau, 100 Kilo Bauernschinken, 250 Enten, 200 Kilo Edelkäse, 5000 Stück Sushi und genauso viele Petit Fours. Und damit Journalisten und Politiker, die ja chronisch in Eile sind und gerne mal an Fastfood-Buden Halt machen, nichts vermissen müssen, werden die 400 Kellner auch noch 2000 Currywürste reichen. Der Kanzler allerdings, dem man damit eine Freude bereitet hätte, hat abgesagt. Unter der Hand heißt es: Herr Schröder kann sich doch nicht Austern schlürfend ablichten lassen und den Menschen am Montag auf dem SPD-Parteitag in Bochum erklären, warum er ihnen die Renten kürzt!

Doch ansonsten kommen sie alle (und haben 520 Euro für die Sitzplatzkarte oder 300 für eine Flanierkarte bezahlt): Chefredakteure, Moderatoren, Firmenvorstände, Botschafter und Minister. Zugesagt haben unter anderem Bundespräsident Johannes Rau, Außenminister Joschka Fischer, Ministerpräsident Edmund Stoiber, Bürgermeister Klaus Wowereit, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Herzspezialist Roland Hetzer, US-Botschafter Daniel Coats und Nachrichtenlady Anne Will. Show-Star Dionne Warwick ist auch da. Sie muss aber arbeiten, nach dem Mitternachtsimbiss. Insgesamt werden 2500 Gäste das Erdgeschoss des Interconti füllen – und überall essen: an der Rezeption (wo griechische Gastköche schon erste Delikatessen servieren), im Saal Potsdam (Viergang-Menü), neben der Boutique (Bouillabaisse), am Kamin (indisch), in den Gartenlounges I und II (Sushi, Thaispezialitäten) und den Garderoben (Käse, Desserts).

Abschließend noch ein Tipp für die Gastro-Wanderer: Wer die vier dicken Buddhas entdeckt, muss ihnen den Bauch rubbeln – bringt Glück. Und wer sich tatsächlich irgendwann langweilt, kann ja andere Geheimnisse lüften: Wofür zum Bespiel wurden 1200 Meter Doppelklebeband verbraucht? Oder 3000 Federn? Und wie lange dauert es, 1700 Flaschen Champagner auszutrinken? rcf

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