Berlin : Kurzmeldungen

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HINTER DEN KULISSEN

Nicht nur Klaus Wowereit liebt Kunst und Kultur. Am letzten Sonntag hat der SPDFraktionschef Michael Müller mit seiner Frau und beiden Kindern die Abenteuer des Pinocchio im Deutschen Theater genossen. Eine kräftige, deftige Aufführung, vom britischen Dramatiker Lee Hall neu für die Bühne bearbeitet. Mit sprechenden Grillen, gefräßigen Walen und einem Killerkaninchen. Die Kinder machten begeistert mit und ließen sich von den Schauspielern in das Geschehen lärmend einbeziehen. Und - ein Erwachsener mischte sich ständig ein und sparte nicht mit aufgeregten Zwischenrufen. Müller hat ihn sofort an der Stimme erkannt: Es war der ehemalige PDS-Parteichef und Wirtschaftssenator Gregor Gysi, der auch mit Familie gekommen war, und in dem bei Pinocchios Abenteuern offenbar das Kind im Manne erwachte.

Der Münchner Architekt Stephan Braunfels, der schon das Paul-Löbe-Haus entwarf, schaut dem 10. Dezember erwartungsvoll entgegen. An diesem Tag wird der Schlüssel für das „Marie-Elisabeth-Lüders-Haus“, die neue Bundestagsbibliothek, übergeben. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse verschickte inzwischen die Einladungen. Auch die Berliner PDS-Bundestagsabgeordnete Petra Pau erhielt ein Schreiben von Thierse. Adressiert war es an die „stellvertretende Vorsitzende der PDS-Fraktion im Bundestag“. Das hat Frau Pau natürlich sehr gefreut: Die beiden PDS-Abgeordneten Pau und Gesine Lötzsch kämpfen seit ihrem Einzug in den Bundestag um zwei kleine Tische – und vor allem um den Status als Parlamentsfraktion, der ihnen bislang verwehrt wurde. Nun haben sie es schriftlich.

Klaus-Martin Groth ist ein Tausendsassa. Als Joschka Fischer noch hessischer Umweltminister war, saß er als Fachreferent in dessen Behörde. Als Michaele Schreyer noch Berliner Umweltministerin war, stand er ihr als Staatssekretär zur Seite. Zwischendurch war der promovierte Jurist und Politikwissenschaftler noch Verwaltungsrichter und veröffentlichte serienweise Bücher. Seit 1991 gehört Groth einer großen Anwaltskanzlei an und ist Mitglied des Landesverfassungsgerichts. Am Donnerstag lieferte er im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses eine Expertise zur Novelle des Wasserbetriebe-Gesetzes ab, dass er für verfassungswidrig hält. Wirtschaftssenator Harald Wolf hörte missvergnügt zu. Vor ein paar Jahren war er, als PDS-Oppositionspolitiker, gegen eben dieses Gesetz vor Gericht gezogen. Sein Anwalt hieß damals – Groth. za/sib

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