Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

saphire bar,

Bötzowstraße 31 in Prenzlauer Berg, Telefon: 25562158; geöffnet sonntags bis donnerstags 20 Uhr bis 2 Uhr, freitags/samstags bis 4 Uhr

Die Cocktailkultur in Berlin hat eine wellenförmige Tendenz. Öffnen in einem Bezirk viele Bars, ist nach gewisser Zeit ein sanfter Rückgang des Niveaus zu erwarten. Dafür schwillt dann das Trinkvergnügen einige Straßenzüge weiter an. Mitte zum Beispiel ist inzwischen eher uninteressant, auch Kreuzberg lässt nach dem Aufschwung des vorigen Jahres ein wenig nach. Prenzlauer Berg hingegen wird zunehmend proper. In der Bötzowstraße gibt es jetzt ein Lokal, das sich in noblem Französisch „saphire bar“ nennt und damit von den meisten Trinkstätten abhebt. Ein snobistischer Gag oder ist hier tatsächlich ein Edelstein zu besichtigen?

Der Gast muss klingeln, wird von einer charmanten Dame empfangen und des Mantels entkleidet. Kaum hatten sich drinking man und compañera in der vorderen Lounge in die tiefe, elfenbeinfarbene Kunstlederbank gesetzt und ein dickes Armlehnenpolster weggedrückt, eilte die waitress wieder herbei und bot Wasser an. Schöner Service. In einem netten 70er-Jahre-Retro-Interieur. Schon die putzigen Edelstahl-Tischchen in der umgedrehten U-Form und den aufgeklebten Brettchen zeugen vom Hang zu eigenwilligem Design. Auch wenn der Tresen als strenge lange Gerade der Bar eine Linienführung zwischen vorderer und hinterer Lounge anordnet, wirkt dieser Saphir weniger mondän als hübsch murmelig.

Die Karte hingegen ist fast schon luxuriös, das Repertoire beachtlich. Bei ihren zwei Besuchen haben drinking man und compañera denn auch ausgiebig gekostet, unter anderem einen wunderbaren Saphire’s Scarlett O’Hara (Canadian Club Whisky, Southern Comfort, Zitronensaft, Cranberry), einen Vodka Tai (ein wenig zu sauer, aber gut), einen Gin Tai (seltsamerweise mit Eiswürfeln statt mit gestoßenem Eis, deshalb auch nicht kalt genug), einen Mai Tai (siehe Gin Tai) und einen sehr gelungenen Alabama Slammer (Beefeater Dry Gin, Southern Comfort, Amaretto di Saronno, Zitronensaft). Die compañera bestellte noch einen Himbeer-Papaya-Smoothie, laut Karte ein „sämig-dickflüssiges Vergnügen“ (und ohne jeden Alkohol), doch die Reaktion war verhalten: „Viel gesünder fühle ich mich nicht.“ Muss nachts auch nicht sein. Beim zweiten Mal war ein Pfirsich-Blutorange-Smoothie an der Reihe, der auch nicht mit einer Grippeschutzimpfung konkurrieren konnte, aber die Fahrtüchtigkeit erhielt.

Die nette waitress half wieder in die Mäntel und nährte lächelnd die Illusion, sie würde sich garantiert über einen weiteren Besuch gerade dieser Gäste freuen. Voilà: „saphire“ als Synonym für gutes Benehmen. Und das in Berlin.

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