Berlin : Kurzmeldungen

Christian van Lessen

PRO

Typische Szene an einer Bushaltestelle, etwa an der Steglitzer Schloßstraße: Der Bus fährt vor, vorn und in der Mitte öffnet sich die Tür, manchmal auch eine ganz hinten. Vor den Türen ein Gewühl: Wer hinein will, wartet gar nicht ab, dass andere aussteigen, sondern drückt sich rein. Wer hinten einsteigt, macht sich entweder gleich auf der hintersten Bank breit oder kämpft sich nach vorn. Die von vorn wiederum drängen nach hinten, vermischen sich mit denen, die hoffnungslos in der Mitte verkeilt sind, und zwischendurch steht garantiert mindestens ein Kinderwagen. Dazu kommt, dass jeder Zweite, der da schubst und drängelt, so wirkt, als sei ihm die BVG, mit Verlaub, wegen der Mühsal keinen müden Heller wert.

So ist der Plan der BVG, modellhaft wieder den Einstieg auf vorn zu begrenzen und Fahrer die Chance zur Kontrolle zu geben, allein schon denen gegenüber gerecht, die ihr Ticket bezahlen. Außerdem kommt Ordnung ins Gewusel. Der Fahrer muss ja nicht jeden Fahrschein studieren, hat dazu wohl auch nicht Zeit und Nerven. Allein aber das Gefühl, vom Fahrer kontrolliert werden zu können oder seinem Blick ausgesetzt zu sein, dürfte Schwarzfahrer abschrecken.

Der Mann am Steuer weiß, wer mitfährt, kann Leuten mit Pullen, Pommes oder Pizzas freundlich die Tür weisen. Die Fahrgäste werden sich sicherer fühlen. Warum soll es noch wüstes Gedränge geben, wenn der Fahrgastfluss im Bus geregelte Bahnen nimmt? Die Berliner müssten nur noch den Einstieg vorn ein wenig üben.

CONTRA

Extrembeispiel, selbst erlebt: Am Lustgarten steigt eine Gruppe von 25 englischen Studenten in den Bus 200. Jeder bezahlt. Einige haben passendes Geld dabei, andere nicht. Es dauert. Der Fahrer guckt genervt auf seine Uhr. Endlich kann er starten: Vier Minuten minus. Sollten wirklich die Seiteneinsteiger abgeschafft werden, kommen weitere Erschwernisse hinzu: Der Fahrer muss kassieren, dazu jeden Einzelnen der vielen unterschiedlichen Fahrscheintypen angucken und deren Gültigkeit prüfen.

Das mag nach 20 Uhr problemlos laufen, aber tagsüber und im Berufsverkehr? Unpünktlichkeiten wären programmiert. Die Wartenden an den Haltestellen wären sauer, noch dazu, wenn ihnen nach den Jahren der Freizügigkeit beim Einstieg dort, wo es am leersten ist, nun wieder vorgeschrieben wird, wo man sich anzustellen und reinzudrängeln hat, nämlich nur vorn. Wir stehen nun mal nicht diszipliniert in einer Omnibus-Warteschlange. Wir wollen nicht gegängelt werden. Und auch der Bus-Fahrer will es nicht: Jede Minute Verspätung, die er am Ziel hat, geht von seiner kleinen Pause ab. Also müssten die Fahrpläne geändert, vielleicht sogar ausgedünnt werden.

Das will niemand. Busfahren ist teuer genug, da möchte es rasch gehen. Ohne Menkenke. Wir fahren ja nicht im Überlandbus, sondern im Nahverkehr einer schnellen Metropole. Und deren teure BVG wird sich ja wohl noch ein paar Kontrolleure leisten, statt die Fahrgäste mit neuen Vorschriften zu erziehen. Lothar Heinke

WAS MEINEN SIE?

Soll die BVG den Mitteleinstieg am Bus wieder abschaffen?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.tagesspiegel.de/ted

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