Berlin : Kurzmeldungen

Stefan Jacobs

PRO

Die wollen nur spielen. Wollen Gehversuche auf der Wiese machen und auch mal hinfallen, ohne in zerwühlter Erde oder Werweißwas zu landen. Wenn sie größer sind, wollen sie mal eine Runde durch den Park joggen, ohne dabei den Jagdinstinkt Unbeteiligter zu wecken oder sich zu Tode zu erschrecken, weil plötzlich etwas mit spitzen Eckzähnen im Weg steht. Kurz: Der Mensch im Park kommt sehr gut ohne Hund zurecht. In der Regel sogar besser. Auch der Hund ist kein geborener Parkbewohner: Er kratzt lieber an Baumstämmen als in Rindenmulch, und wenn er sein Geschäft verrichtet, hockt er im Wald bequemer als im teuer angelegten Rosenbeet.

Wo der Platz begrenzt ist, müssen Prioritäten gesetzt werden. Nummer eins: Die Stadt ist in erster Linie für Menschen da. Dass es heutzutage einfacher ist, mit einer Dogge in Berlin zu leben als mit einem Kind, ist schlimm genug. Ein Hund erfreut nur seinen Besitzer und nervt oder verängstigt dessen Mitmenschen. Die Mehrheit ist zwar so weit psychologisch geschult, dass sie einen nahenden Hund weder durch Blicke noch durch Flucht oder gar Angstgeruch herausfordern würde. Trotzdem geht die Sache nicht immer gut aus. Deshalb sollten Menschen die Parks für sich allein haben.

Der längst geltende Leinenzwang ist bekanntermaßen graue Theorie. Hunde gehören in eigene Auslaufgebiete. Europas größtes gibt’s im Grunewald. Und für ein paar kleinere findet sich in jedem Kiez ein Fleck. Eingezäunt, mit Erde zum Herumwühlen und Stöckchen zum Holen.

CONTRA

Am liebsten wäre es unseren genervten Kommunalpolitikern vermutlich, wenn sie die Parks gleich ganz abschaffen könnten. Kein Ärger mit mehr mit Hunden und ausufernden Grillfeten, keine Kosten mehr für Gärtner und Müllbeseitigung. Sollen die Leute doch nach Brandenburg fahren! So wäre es vermutlich längst geschehen, wenn nicht doch relativ klar wäre, dass Parks nun einmal ins Bild einer Stadt wie Berlin gehören. Vor allem: Sie sind für alle Bürger da, die mit und die ohne Hund. Wer sie auf die Straßen zurückdrängen will, handelt nicht nur tierfeindlich, sondern verschiebt das Problem einfach auf die Gehwege. Doch glaubt irgendjemand, dass undisziplinierte Hundehalter, die sich in den Parks nicht um die Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge kümmern, dies auf den Bürgersteigen tun werden? Alsbald würde irgendjemand fordern, Hunde auf der Straße generell zu verbieten.

Die Forderung nach Sperrung der Parks für Hunde ist insofern nichts als ein peinliches Eingeständnis, dass der Staat es nicht schafft, die geltenden Regeln für die Hundehaltung in der Stadt durchzusetzen - so, als könnte man das Problem der wilden Grillfeten im Tiergarten dadurch lösen, dass sonntags der ganze Park geschlossen bleibt, als könnte man den Drogenhandel in der Hasenheide dadurch abschaffen, dass man das Gelände zuschüttet. Nein: Unsere Politiker sollten endlich Konzepte dafür finden, wie die gültigen gesetzlichen Vorschriften durchgesetzt werden können. Und nicht dauernd neue Vorschriften ausbrüten. Bernd Matthies

WAS MEINEN SIE?

Sollen Hunde aus allen Stadtparks verbannt werden?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.tagesspiegel.de/ted

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