Berlin : Kurzmeldungen

1600 Gäste, frierende Fans und protestierende Studenten: Im Sony-Center und im Zeughaus wurde die Europa-Premiere für den dritten „Herr der Ringe“-Film gefeiert Viel Gewese um die Wesen

Björn Seeling

Wenn das keine fabelhafte Europa-Premiere für den dritten Teil von „Herr der Ringe“ am Mittwochabend war: Draußen vor dem Sony-Center 700 lautstark protestierende Studenten, drinnen fast ebenso viele begeisterte Fans, denen wiederum eine dutzendköpfige studentische Vorhut den besten Platz am roten Teppich geklaut hatte, nämlich den direkt am Eingang zum Cinestar-Kino. Und mittendrin die bestens gelaunte Film-Crew, die sich über Beifall von beiden Seiten freuen konnte. Nur zwei Mal teilten sich die Meinungen. Während „Superstar“ Alexander Klaws und der Regierende Bürgermeister (sicherlich aus unterschiedlichen Gründen) von der akademischen Vorhut ausgebuht wurde, entschied sich die Partei der Filmanhänger für freundlichen Beifall. Weitgehend unbehelligt konnten dagegen die restlichen 1600 Gäste, darunter Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Regisseur Leander Haußmann, Entertainer Michael „Bully“ Herbig und Schauspielerin Christiane Paul passieren.

„Berlin ist schon eine verrückte Stadt“, kommentierte denn auch Ian McKellen, der den Zauberer Gandalf in der Ringe-Trilogie verkörpert. „Ich liebe die Stadt.“ Was soll er auch sagen, nach einer Tour durch die Bars der Stadt – von der hat er am Rand der Premiere erzählt. Ach was, in Berlin versumpft? „Ich habe auch Sigthseeing gemacht und war im Museum“, sagte der Schauspieler, der in einem dunklen lila Jackett und knackiger Lederjeans gekommen war. Ein recht mutiges Outfit für einen Herrn im besseren Alter. Aber weitaus schicker als der grüne Anzug von Viggo Mortensen, der sich als strahlender Held Aragorn durch die Trilogie schlägt. Aber an seinen Klamotten störten sich die Fans nicht, von denen jede Körperdrehung, jeder Wink, jedes Lächeln mit einem glücklichen Juchzer begleitet wurde. Ein wenig unangenehm schien Herrn Mortensen der Aufriss um seine Person schon zu sein, dennoch er bestand den Parcours mit Bravour. Charmant antwortete er auf die Reporterfragen und erzählte mit leiser Stimme, was das für ein Anhänger aus Elfenbein ist, der ihm vor der Brust baumelt. Ein „Herr der Ringe“-Symbol? Nein, nein, wehrte er ab, das Schmuckstück stamme aus der Südsee.

Bis auf einige Fans hatte sich keiner aus der Ringe-Mannschaft nach Art des Fantasy-Films gekleidet. Nur der schwarze Hosenanzug von Schauspielerin Liv Tyler erinnerte entfernt an ihr Kostüm, das sie als Arwen, die Prinzessin der Elben (das sind ätherische Waldwesen mit spitzen Ohren) trägt. Weit ausgeschnitten und ein bisschen flatterig sind die Ärmel, und wohl auch ein wenig luftig für den gut halbstündigen Marsch über den roten Teppich. Kein Wunder also, dass sie auf die Frage, wie sie denn Berlin finde, antwortete: „Kalt“. Vielleicht war die Arme ja noch ein bisschen groggy von der Reise nach Berlin, denn auf der Fahrt vom Hotel zum Sony Center, so erzählte sie, sei sie im Auto eingeschlafen. Erst der Lärm der Studenten, deretwegen die Polizei die Potsdamer Straße beidseitig gesperrt hatte, habe sie geweckt.

Dabei hatte die Schauspielerin noch den größten Teil des Abends vor sich. Denn nach der Filmvorführung gab es eine Premierenparty im Schlüterhof des Zeughauses Unter den Linden, zu der auch Oscar-Preisträger Matt Damon erwartet wurde. Der hat zwar nichts mit dem Herrn der Ringe zu tun, dreht aber derzeit in Berlin. Das können die in Hollywood auch nicht besser arrangieren.

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