Berlin : Kurzmeldungen

Er drehte mit Madonna, Björk und der Deneuve. Gestern stellte Udo Kier seinen neuen Film vor. Und verriet, wieso er seine Wohnung in der Karl-Marx-Allee verlassen hat. Berliner Zuckungen

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In dieser Woche startet der Film „Tor zum Himmel“ bundesweit. Vor der Premiere am Sonntagabend sprachen wir mit Udo Kier, der in Veit Helmers Film über illegale Arbeiter am Frankfurter Flughafen den Fluginstruktor Joachim Nowak spielt.

Ihr neuer Film heißt „Tor zum Himmel“. Wo ist denn Ihr persönliches Tor zum Himmel?

Das weiß ich noch gar nicht. Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt, mit meinem Tor zum Himmel – oder zur Hölle. Ist ja beides eigentlich gleich. Wenn man weder Himmel noch Hölle kennt, dann weiß man gar nicht, was es für den Einzelnen bedeutet.

Ist ihre neue Figur mal wieder böse, wie bei Ihnen üblich?

Nein, gemein! Weil ich ja der Hauptdarstellerin alles verspreche, nur damit sie mit mir ins Bett geht. Ich verspreche, dass ich ihr helfe, Stewardess zu werden. Obwohl ich genau weiß, das ich das gar nicht kann. Nett gemein, also trotzdem freundlich und lustig, aber kein Mörder, kein Pistole.

Was machen Sie eigentlich, wenn Sie in Berlin zu Besuch sind?

Kommt auf die Jahreszeit an. Im Sommer, wenn es grün ist, gehe ich einfach spazieren, Menschen beobachten. Meine Lieblingsbeschäftigung ist nicht, in eleganten Restaurants zu sitzen, wo mich die Leute angucken, sondern ich gehe lieber auf die Straße wo ich die Leute angucken und beobachten kann. Davon kriege ich meine Ideen. Wenn jemand zum Beispiel komische Zuckungen hat, baue ich das für mich selber ein. Ich fahre auch mit der U-Bahn. Und dann sagen die Leute manchmal, der sieht so aus wie der Schauspieler, und dann sage ich beim Aussteigen: Ja, ja ich bin das.

Aber erst beim Aussteigen.

Ja, denn sonst muss ich Rede und Antwort stehen. Interviews in der U-Bahn, darauf habe ich auch keine Lust. Manchmal kommen sie mir hinterhergelaufen, dann muss ich Autogramme geben, auf Fahrscheine oder irgendetwas.

Warum haben Sie sich für dieses Drehbuch entschieden?

Veit Helmer und ich haben uns durch ein Filmprojekt kennen gelernt. Sieben oder acht Studenten durften je eine Szene für einen Kurzfilm in schwarz-weiß drehen. Und dann hat Veit mir das Drehbuch geschickt. Das gute an diesem Drehbuch ist, dass das Thema komödiantisch aufgefangen wird, obwohl es um etwas sehr Ernstes geht. Diese Leute sind, wenn sie überhaupt Asyl bekommen, trotzdem eingeschränkt. Sie dürfen ein Jahr lang nicht arbeiten, und werden überprüft. Und in der Zeit des Terrorismus ist das alles noch schlimmer geworden.

Was war Ihr letzter Berliner Film?

Das letztes Mal habe ich hier den Film „Betty“ gedreht. Ich habe einen Kommissar gespielt, mal nicht böse. Eher so ein David-Lynch-Kommissar, nicht so mit Trenchcoat und „Wo waren sie gestern Abend?“, sondern einfach ganz ruhig. Da würde ich gerne eine Fortsetzung drehen. Dann drehe ich ab März in Schweden die Fortsetzung von Dogville mit Lars von Tier. Irgendwann wird es ja auch ein bisschen langweilig. Wenn Filme machen zur Routine wird, dann muss ich aufhören. Oder wenn man nur noch ans Geld verdienen denkt. Es muss schon immer wieder eine Herausforderung sein.

Wenn Sie sich eines Tages zur Ruhe setzen, würden Sie dann nach Berlin ziehen?

Ich hatte hier eine Wohnung die ein Jahr leer stand, in dem wunderschönen Hochhaus am Strausberger Platz, in der Karl-Marx-Allee. Die habe ich vor zwei Monaten aufgegeben, ich habe dort nicht eine Nacht geschlafen. Ich hätte eine Party machen sollen. Aber wenn ich zum Beispiel aus Amerika weggehen würde, was ich im Moment nicht beabsichtige, dann würde ich schon nach Berlin ziehen.

Und dann in welchen Bezirk?

Nicht Prenzlauer Berg. Da kauft ja jeder. Ich mache in meinem Leben nie gerne, was jeder macht. Ich wohne in den USA auch nicht in Hollywood, sondern in Los Angeles. Ich sehe das Hollywood-Schild an klaren Tagen. Damit ich auch immer daran erinnert werden, warum ich eigentlich da bin. Und ich habe mir eine ehemalige kleine Bibliothek gekauft in Palm Springs, die ich jetzt umbaue, mir einen Traum erfülle, in dem alles stimmen muss.

Das Gespräch führte Constance Frey

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