Berlin : Kurzmeldungen

Teures Bauen: Die Stummel-U-Bahn am Reichstag würde mindestens weitere 28 Millionen Euro kosten

Klaus Kurpjuweit

Die BVG will Jahr für Jahr durch Tariferhöhungen ihre Einnahmen steigern, auf der anderen Seite setzt sie nach Ansicht des Fahrgastverbandes IGEB aber Millionen in den Sand. So werde der geplante Betrieb auf der Stummel-U-Bahn vom Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof mit Zwischenstopp am Reichstag so hohe Kosten verursachen, dass woanders Buslinien gestrichen werden müssen, ist Christfried Tschepe vom IGEB-Vorstand überzeugt. Die BVG äußert sich dazu bisher nicht; intern heißt es, die Fahrten könnten „wirtschaftlich“ sein.

Mit dem Betrieb auf dieser Strecke will der Senat verhindern, dass er an den Bund 128 Millionen Euro zurückzahlen muss. Diese Summe hatte die Bundesregierung für den Bau der U5 vom Alexanderplatz zum Hauptbahnhof vorgeschossen. Der Bahnhof und der Tunnel für die U-Bahn mussten am neuen Hauptbahnhof gleich bis zum Reichstag mitgebaut werden, weil sie in die Anlage integriert sind. Danach setzte der Bund den Weiterbau bis zum Pariser Platz durch, um später nicht mehr am Reichstag die Erde aufreißen zu müssen.

Im Sommer 2001 entschied sich der Senat aber, den Weiterbau zum Alexanderplatz auszusetzen, obwohl der Bund auch diesen Abschnitt zum größten Teil finanziert hätte. Berlin wollte den Eigenanteil von etwa 50 Millionen Euro, verteilt auf mehrere Jahre, nicht aufbringen. Deshalb forderten der Bundesrechnungshof und der Bundestag, dass Berlin den Zuschuss zurückzahlt oder eine verbindliche Terminplanung vorlegt.

So kam Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) mit dem TÜV Rheinland auf die Idee, den vorhandenen Tunnel für eine Mini-U-Bahn-Strecke zu nutzen.

Um Züge fahren lassen zu können, muss am Pariser Platz jedoch ein weiterer Bahnhof gebaut werden. Der Tunnel endet jetzt vor der vorgesehenen Station. Für den Bahnhofsbau ist eine Sparvariante vorgesehen. Er soll nur dreiviertel so lang werden wie ein üblicher Bahnhof, dessen Bahnsteige meist 110 Meter lang sind. Er würde unter der nördlichen Fahrbahn des Straßenzuges Unter den Linden entstehen – mit einem Zugang zum S-Bahnhof an dessen östlichem Ende. Beim Bau muss die Straße teilweise aufgerissen werden. Als zweiter Fluchtweg, der inzwischen vorgeschrieben ist, könnte eine der U-Bahn-Röhren dienen.

Gleise sollen nämlich nur in einer Röhre gelegt werden. Dort würde dann ein Zug, bestehend aus maximal vier Wagen des so genannten Großprofils, alle zehn Minuten hin und her fahren. Am Hauptbahnhof gibt es – noch – eine 18 mal 4 Meter große „Materialeinlassöffnung“ im Tunnel, durch die die Bahnen aufs Gleis gehievt werden könnten.

Auch die Bahnhöfe sollen zunächst nur so hergerichtet werden, dass man sich „nicht schämen“ muss, wie es heißt. Trotzdem soll die Stummel-U-Bahn noch einmal mindestens 28 Millionen Euro kosten. Der Senat hofft, dass der Bund auch diese Summe übernimmt. Die Verhandlungen laufen noch. Am Jahresanfang könnte es eine Entscheidung geben.

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