Berlin : Kurzmeldungen

Werner van Bebber

PRO

Styroporbecher mit Kaffee statt schicker weißer Tässchen für den Tee? Der Berlin-Pavillon an der Straße des 17. Juni verlöre den letzten Rest von städtebaulicher Aura und würde endlich zum Profanbau mutieren, wenn Burger King das elegante Glasgebilde bezöge. Warum auch nicht? Jahrelang wusste der Senat nicht viel mit der filigranen Reminiszenz an die fünfziger Jahre anzufangen – was einfach schade war, wie jeder bestätigen kann, der den Pavillon mal von innen gesehen hat. Dann bezog die KPM das unzeitgemäß schöne Stück in einer jener seltsam ambitionslosen Bemühungen, die Porzellan-Manufaktur den Kunden ein wenig näher zu bringen. Das haben aber nur die gemerkt, die sich ohnehin für die KPM interessierten. Nun kommt Burger King, ein ganz legales Unternehmen, und möchte den Ort mit einem Imbiss bereichern.

Bislang ist der Ort eher ein Unort. Das hat nicht nur mit dem amazonasartigen Verkehrsstrom auf der Straße des 17. Juni zu tun und auch nicht mit den äußerst hochhackig herumstehenden Damen, die abends am Straßenrand auf geldwerte Beziehungen hoffen. Es hat damit zu tun, dass der 17. Juni zwischen großem Stern und Ernst-Reuter-Platz wie eine Ausfallstraße wirkt, und das mitten in der großen Stadt. Ein Schnell-Restaurant mit Kaffee-Ausschank für frierende Unterhaltungskünstlerinnen würde der Situation den Schnellstraßencharakter nehmen. Und nichts passt nun einmal in eine Fünfziger-Jahre-Stahl-Glas-Konstruktion besser als ein Diner.

CONTRA

Hunderte Meter lang stehen die Autos, Benzingestank umgibt sie, die Fahrer rollen im Schritttempo auf den Sprechautomaten zu, in den sie einmal Pommes und zwei Cheeseburger oder so etwas ähnliches sagen, dann rollen sie weiter, um das alte denkmalgeschützte Haus herum, bekommen auf der anderen Seite ihr Essen und brausen los, rauf auf den Parkstreifen in der Mitte der Straße des 17. Juni, wo sie ihre Burger essen und die Pappkartons aus dem Fenster werfen. Burger King im Berlin Pavillon plus Rein- und Rausfahrrampe im Tiergarten? Nein danke.

Das omnipräsente Plastikrestaurant mit zigtausend Filialen im Autobahnraststätten-Design, mit immergleichem Angebot und immergleichen Whopper-Geruch ist nichts für den Ur-Berliner Tiergarten. Und schon gar nichts für den denkmalgeschützten Pavillon, in dem jahrzehntelang Berliner Städtebau ausgestellt wurde und in dem jetzt das Berliner Traditionsunternehmen KPM seine Porzellankunst offenbar recht erfolgreich vermarktet. Haus und Umgebung haben ein Konzept verdient, das individuell ist, liebevoll gemacht mit Herz und Sinn für die Umgebung und die Menschen. Gastronomie kann es gerne sein. Aber keine von der Stange. Und schon gar keine, die noch zusätzlich Autofahrer zur ohnehin stark befahrenen Straße des 17. Juni lockt. Außerdem wird die Konkurrenz Burger King sicher zum Tiergarten folgen. Dann übernimmt McDonald’s den Schleusenkrug und Kentucky Fried Chicken zieht ins Torhaus der Siegessäule. Hilfe! Ariane Bemmer

WAS MEINEN SIE?

Soll eine Fastfood-Kette in den Berlin-Pavillon ziehen?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.tagesspiegel.de/ted

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