Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

Hudson Bar, Elßholzstr. 10, Schöneberg, Fr./Sa. 21 Uhr bis 3 Uhr, Tel. 2161602

Blaues Band, Alte Schönhauser Straße 7-8, Mitte, tägl. ab 10 Uhr, Tel. 28385099

Es ist schon ein Jammer, dass sich die Hudsons so rar machen. Monatelang ist die Bar geschlossen, dann plötzlich geöffnet, doch auf Hudson’s Homepage wird die drinking crowd schon wieder gefoppt. „Den nächsten Urlaub machen wir zum Jahreswechsel 2003/2004“. Wie nett. Bevor es sich die Zwei-Mann-Crew anders überlegt, sind drinking man und compañera schnell mal hin, um die alten Cocktailtest-Resultate (bislang stets: gut & wuchtig) zu überprüfen. Bevor die Hudsons wieder die Bar verrammeln.

Das Lokal mit dem Glasbaustein-Kachelofen-Stilmix füllte sich rasch. Wahrscheinlich buchen die wahren Hudson-Fans in den Wochen der befristeten Öffnung keine einzige Fernreise. Es wird wohl niemand bereut haben: Die Drinks sind immer noch gut und wuchtig – so sehr, dass manchmal schon ein Cocktail reicht. Die compañera badete in einem gigantischen Mai Tai mit betörendem Mandelaroma, der drinking man stürzte sich in einen gläsernen Pool voll köstlichem Singapore Sling. Dazu wurden Erdnüsschen geknabbert, die man gegen ein paar Cents aus einer alten, großen Glaskugel mit schmiedeeisernem Hebelmechanismus herauskatapultieren muss. Die Crew spendierte sogar großzügig 50 Cents, woraufhin sich ein Schälchen klackend füllte. Ein schöner Abend. Nur die Lust auf den Besuch einer zweiten Bar im fernen Mitte kam abhanden. Wenige Tage später war sie wieder da (die Lust).

Und sie wird in der Restaurantbar „Blaues Band“ behutsam konserviert. Trotz der Ozeandampfer-Akzente – Segel quer übers Trottoir gespannt, größerer Schiffsbug auf Segeltuchleinwand gebannt, Bullauge in die Wand zwischen Küche und Gastraum gefräst, Tresenkorpus gewellt – kann man in diesem Lokal angenehm unstürmisch sitzen, etwas essen und einen Cocktail zu sich nehmen. Der hektischen Jagd nach dem Blauen Band, in diesem Fall ja denkbar als die schnellstmögliche Überquerung der atlantischen Untiefen zwischen Tisch und Tresen, geben sich weder Personal noch Gäste hin. Aber auch der Anspruch auf mondänes Post-Titanic-Ambiente wird nicht erhoben. Der Name „Blaues Band“ ist vielleicht ein bisschen irreführend, zumal ein Teil der Wände ketchuprot strahlt. Aber auf dem Gang zu den Toiletten wird ein wenig Ahoi-Kneipe versucht. Neben einem alten, hellblauen VEB-Info-Glaskasten der „Weißen Flotte“ prangt auf der Tapete der lang gestreckte „Doppelschrauben-Schnellpostdampfer ,Kaiser Wilhelm II‘“, angepriesen als „Schnellster und größter Schnelldampfer der Welt“.

Obwohl diese Themenbar ihr Thema nicht ganz kurssicher umschifft, haben drinking man und compañera auch hier einen netten Abend verbracht. Mit einem „Tripledecker“-Sandwich und Tramezzini – und einem passablen Gin Fizz, in den auf Wunsch der milde „Bombay Sapphire“-Gin gegeben wurde, sowie einem Sex on the Beach mit drallem Pfirsich–Aroma. Gut, aber nicht wuchtig. Und öfter zu haben als die Kawenzmänner im Hudson’s.

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