Berlin : Kurzmeldungen

Ingo Bach

PRO

Keine rechtsfreien Gebiete in Berlin, so lautet eine der Hauptdevisen der Polizei. Deshalb rückt sie immer wieder auch in den sozialen Brennpunkten der Stadt an, um der Staatsmacht den nötigen Respekt zu verschaffen. Und auch wenn Polizisten zunehmend unter der Respektlosigkeit leiden, so ergreifen Verbrecher doch im Zweifelsfall eher die Flucht, wenn sie auf die grüne Uniform treffen. In ihren Augen also eine anerkannte Autorität. Ganz anders die Reaktion von Drogendealern oder Kleinkriminellen, wenn sie auf die blaue Uniform eines BVG-Mitarbeiters treffen: Anpöbeleien und sogar Handgreiflichkeiten gehören zur Tagesordnung, so dass sich eher die Uniformierten zurückziehen und den Gangstern das Terrain überlassen. Soll es nun also doch einen rechtsfreien Raum geben, ausgerechnet in der U-Bahn, in der sich täglich Hunderttausende auf den Weg machen und sich sicher fühlen sollen? Nur weil die blauen BVG-Uniformen eben nicht jene Autorität ausstrahlen wie die grünen Polizeikleidung. Das Blau steht für das Hausrecht der BVG, das nur sehr wenige der dafür schlecht ausgebildeten BVG-Mitarbeiter tatsächlich ausüben können – und wollen. Das Grün der Polizisten steht für die Staatsmacht. Polizisten haben viel weiter reichende Kompetenzen, als die BVGler: Sie können die Personalien aufnehmen und sie sind bewaffnet. Die Mischung machts: Denn auch die BVGler haben etwas zur Sicherheit beizusteuern. Sie kennen sich aus, wissen, wo es auf den U-Bahnhöfen brennt. Das Team Grün-Blau wäre unschlagbar.

CONTRA

Respekt. Das ist das entscheidende Wort. Wer keinen Respekt hat, der macht sich breit, ohne auf die Rechte anderer Rücksicht zu nehmen. Die jugendlichen Drogenhändler haben keinen Respekt vor den BVG-Mitarbeitern – klagt die BVG. Das Verkehrsunternehmen sollte sich zuallererst fragen, warum das so ist und was es mit eigenen Mitteln dagegen tun kann. Eine Fehlentscheidung müsste dabei sofort korrigiert werden: An der Sicherheit darf nicht gespart werden, denn ohne Sicherheit kommen immer weniger Kunden. Die Kosten dafür darf das Unternehmen nicht über den Ruf nach der Polizei vergesellschaften. Die BVG sollte deshalb wieder mehr eigene Streifen losschicken, wie das viele ihrer Mitarbeiter ja längst fordern. Das Unternehmen muss seinen Mitarbeitern aber auch ein neues Selbstwertgefühl vermitteln: Ihr seid auf euren Bahnhöfen Herr im Hause, lasst euch nicht von großmäuligen Kleindealern einschüchtern! Wer selbstbewusst auftritt und Sicherheit ausstrahlt, der eignet sich schlecht als Opfer. Das ist eine alte Kriminalistenweisheit. Und das ist keine Frage der körperlichen Statur. Anstelle der schluffigen Sachbearbeiteranzüge sollte die BVG ihren Mitarbeitern ein paar schicke Uniformen schneidern. Außerdem sollte sie ihre Leute in Selbstverteidigung schulen und ihnen wieder mehr Respekt einflößende Hunde an die Hand geben. Mit dauerhafter Präsenz können die BVG-Streifen den Nachwuchskriminellen vermitteln: Wir haben euch im Auge. Wenn das alles nicht fruchtet, kann immer noch die Polizei kommen. Markus Hesselmann

WAS MEINEN SIE?

Soll die Polizei wieder mit BVG-Mitarbeitern auf Streife gehen?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.tagesspiegel.de/ted

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