Berlin : Kurzmeldungen

Ulrich Zawatka-Gerlach

HINTER DEN KULISSEN

Wer den FDP-Fraktionschef Martin Lindner nicht so gut kennt, dem sind gewisse Veränderungen eventuell verborgen geblieben. Lindner ist seit 2001 deutlich figurbetonter geworden. Relativ kompakt war er schon immer, aber den Hosengürtel konnte der liberale Rechtsanwalt früher enger schnallen – als er im politischen Leben noch nicht so aufging. „Unser Operntenor“, spotten Parlamentskollegen über den manchmal etwas vorlauten Freidemokraten. Doch ab 2004 will Lindner den Bauchansatz bekämpfen. Beim gemütlichen Kaffeetrinken, mit Pfannkuchen, hat der Fraktionschef den Mitarbeitern und der FDP-Bildungsexpertin Mieke Senftleben verraten, dass er ab sofort ins Fitness-Studio geht. Zwei Termine pro Woche hält die Sekretärin frei. Mal sehen, wie lange der gute Vorsatz hält.

Ähnliche Sorgen, nur anders herum, plagen den Verkehrsexperten der Grünen, Michael Cramer. Der bärtige, drahtige 54-Jährige ist seit über 20 Jahren politisch hoch aktiv, hat es aber bis heute geschafft, sportlich zu bleiben. Das hat er auch seinem Fahrrad zu verdanken. Jeden Tag, selbst im Winter, strampelt Cramer elf Kilometer bis zum Abgeordnetenhaus und zurück nach Hause. Dabei macht er ordentlich Tempo und kommt oft schweißgebadet an. Das ist kein großes Problem, denn die Grünen haben für ihre Radler und Jogger eine Dusche eingerichtet. Doch auf diesen Service wird Cramer möglicherweise verzichten müssen, sollte er im Sommer ins Europaparlament einziehen. Eine Dusche wird sich ja vielleicht noch finden, aber ob man in Straßburg und Brüssel so schön radeln kann wie in Berlin, weiß der Grünen-Verkehrsfachmann nicht.

Frank Henkel, Fraktionsgeschäftsführer der CDU, kam an den Feiertagen auch in Bewegung. Er hat Stadtführer gespielt – für seine Eltern. Die bekamen von ihrem Sohn eine Reise nach Krakau zu Weihnachten geschenkt. Für Henkel ist Polen zwar kein unbekanntes Land, denn er ist in der DDR aufgewachsen. Erst Anfang der 80er Jahre siedelte die Familie von Ost- nach West-Berlin um. Aber für den Krakau-Besuch hat er den Parteifreund und CDU-Landesvorsitzenden Joachim Zeller vorsichtshalber um fachkundigen Beistand gebeten. Denn Zeller ist im oberschlesischen Oppeln geboren und hat in Krakau Slawistik studiert. Gut präpariert konnte Henkel als Reiseführer glänzen.

Nicht jeder konnte in der Weihnachtszeit zum eigenen Vergnügen verreisen. Günther Krug, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, war einige Tage in Serbien unterwegs, um in offizieller Mission die Parlamentswahlen zu beobachten. Bohnensuppe statt Gans… Naja, ganz so schlimm wird es nicht gewesen sein. Der reiselustige Ex-Journalist Krug, der die Delegation im Auftrag der OECD leiten durfte, hat sich nur wieder über die tolle Amtsbezeichnung amüsiert, die er vor sich her tragen darf: „Vice-President of the Council of Europe Congress of Local and Regional Authorities of Europe“, kurz CLRAE genannt.

Bezeichnungen und Symbole sind oftmals unübersichtlich. Darüber hat sich auch der SPD-Parlamentarier Frank Jahncke beim Senat beklagt. Die Ausschilderung auf der Stadtautobahn A111 in Richtung Norden verwirre regelmäßig die ortsunkundigen Autofahrer, die annehmen müssten, dass nur die ganz linke Spur in Richtung Hamburg führe. Der Senat gab dem Abgeordneten Recht. Die bisherige „richtungsbezogene Wegweisungssystematik“ werde demnächst durch eine „fahrstreifenbezogene Systematik“ ersetzt. Wie froh werden die Autofahrer sein.

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