Berlin : Kurzmeldungen

Das Deutsche Historische Museum lädt ab heute zu Tagen der offenen Tür in seinen modernisierten alten Prachtbau ein. Noch sind die Räume allerdings leer Zeughaus pur

Cay Dobberke

Zum ersten Mal können Berliner und Touristen ab heute das restaurierte Zeughaus an der Straße Unter den Linden in Mitte besichtigen. Gestern wurden dem Deutschen Historischen Museum (DHM) bei einem Festakt die Schlüssel übergeben. In diesem Monat beginnt der Aufbau der Dauerausstellung zur deutschen Geschichte, die Ende des Jahres öffnen soll. Zunächst gibt es aber die Tage der offenen Tür.

Bei freiem Eintritt bleibt der für 25 Millionen Euro modernisierte Barockbau bis zum 18. Januar täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. An den Wochenenden finden Führungen statt. Sie beginnen heute und am folgenden Sonnabend jeweils um 14 und 15 Uhr sowie an den beiden Sonntagen um 11 und 15 Uhr. Geleitet werden die Rundgänge von Mitarbeitern des Architekturbüros Brenne, das den Wettbewerb für den Umbau gewonnen hatte, und Vertretern des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung.

„Es ist die einzige Chance, das Gebäude einmal leer zu sehen“, betonte eine Museumssprecherin. Denn momentan ist die Sammlung aus rund 8000 Exponaten eingelagert. Einen Vorboten der künftigen Ausstellung gibt es allerdings doch schon: ein 2,5 Tonnen schweres Plattenbau-Element aus Marzahn. Es war am vorigen Mittwoch per Schwertransport angeliefert und dann ins Erdgeschoss gehievt worden.

Das Zeughaus ist das älteste Gebäude am Boulevard Unter den Linden. Es entstand 1695 bis 1730 nach Plänen der Architekten Johann Arnold Nering, Andreas Schlüter und Jean de Bodt als Waffendepot und Ruhmeshalle des preußischen Militärs. Nach der weitgehenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde es bis 1960 wieder aufgebaut und beherbergte lange das DDR-Museum für Deutsche Geschichte. Das Deutsche Historische Museum zog 1991 ein. 1994 bis 1998 wurde bereits die Fassade saniert.

Die Säle beeindrucken allein schon durch ihre acht Meter hohen Decken und ihre Größe; der Blick kann ungehindert bis zu 90 Meter weit schweifen. Störende Trennwände aus der DDR-Zeit sind nun verschwunden. Die meisten Neuerungen sieht man allerdings kaum. Die moderne Gebäudetechnik zum Beispiel wurde so unauffällig wie möglich installiert. Nur im Parterre baumelten gestern noch Lampenkabel aus der Decke.

Den Besuchern steht auch der neuerdings mit Stahl und Glas überdachte Schlüterhof offen. Mitte Dezember war dort bereits die Party zur Europapremiere des dritten „Herrn der Ringe“-Films gefeiert worden – dazu hatten allerdings nur geladene Gäste Zutritt. Künftig soll der Schlüterhof, der auch einen unterirdischen Verbindungsgang zwischen dem Zeughaus und dem Neubau bietet, die Museumsbesucher zum Verweilen einladen und für Ausstellungseröffnungen genutzt werden.

In den kommenden Tagen können Interessierte außerdem einen Blick in das modernisierte hauseigene Kino und den künftigen Buchladen werfen, dessen hohe Holzregale bereits installiert sind. Über die Geschichte und den Umbau des Zeughauses informiert das Museum überdies in einer Multimedia-Schau. Beim Besuch des Zeughauses liegt es natürlich nahe, auch gleich den im Frühjahr 2003 eröffneten Museumsneubau des amerikanischen Stararchitekten Ioeh Ming Pei zu besichtigen. Eigentlich gibt es dort momentan keine Tage der offenen Tür. Allerdings kann die bis Anfang Februar laufende Ausstellung „Bilder, die lügen“ kostenlos besucht werden. Nur die parallele Ausstellung über deutsche Fotografie im Pei-Bau kostet zwei Euro Eintritt.

Den Neubau hatte das Deutsche Historische Museum ebenfalls schon vor den ersten Ausstellungen für Besichtigungen geöffnet – unter anderem zur „Langen Nacht der Museen“ 2001 und gleich nach der Schlüsselübergabe im Februar 2003. Damals gab es lange Warteschlangen. Also sollten sich nun auch die Besucher des Zeughauses darauf einstellen, etwas Geduld aufbringen zu müssen.

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