Berlin : Kurzmeldungen

Ulrich Zawatka-Gerlach

HINTER DEN KULISSEN

Ist Marianne Rosenberg ein Popstar? Parlamentspräsident Walter Momper sagt: Ja. Er hat die Sängerin, die in den siebziger Jahren mit Hits wie „Fremder Mann“ und „Ich bin wie du“ als Stern am deutschen Schlagerhimmel aufleuchtete, für kommenden Montag in den Plenarsaal des Abgeordnetenhauses eingeladen. Das ist schon eine besondere Ehre. Zum ersten Mal werde dort, so heißt es eben in der Einladung, „ein Pop-Star“ auftreten. Aber auch wer nicht so auf Rosenberg-Songs steht, wird sich über den ernsten Hintergrund der Veranstaltung nicht lustig machen. Die Schwester der Sängerin, Landesvorsitzende der Sinti und Roma, wird aus dem Buch des von den Nazis verfolgten Vaters Otto Rosenberg „Das Brennglas“ vorlesen. 500 Jugendliche wurden ins Parlament eingeladen, um sich dort mit der deutschen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Am nächsten Wochenende fährt die SPD-Fraktion des Abgeordnetenhauses nach Leipzig, um im Renaissance-Hotel über die Folgen der Hartz-Reformen, die EU-Förderung für Berlin und die Bildungsmisere tief nachzudenken. Als Referenten wurden der Bundesagentur-für-Arbeit-Chef Florian Gerster, die EU-Kommissarin Michaele Schreyer und der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner eingeladen. Auch Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee wird vorbeischauen. Nun fügt es sich, dass – von Zöllner abgesehen – die drei anderen Promis es in letzter Zeit nicht gerade einfach hatten. Gerster steht im Schussfeld nicht nur der Bundestags-Opposition. Frau Schreyer, ehemals Fraktionsvorsitzende der Bündnisgrünen im Berliner Abgeordnetenhaus, musste sich in Brüssel mit einer Finanzaffäre herumschlagen und der Sozialdemokrat Tiefensee kämpft verzweifelt um die olympische Reputation seiner Stadt. Trotzdem freuen sich die Berliner Sozialdemokraten auf alle Drei. Neugierig sind einige Abgeordnete aber schon, mit welchem der 900 neu bestellten BMW-Dienstwagen Gerster denn vorfahren wird.

Bildungssenator Klaus Böger ist seit Donnerstagabend ausnahmsweise gut gelaunt. Sein Schulgesetz hat er nach jahrelanger Debatte durchs Parlament geschoben. Drei Tage zuvor war er noch ziemlich nervös, als im Schulausschuss des Abgeordnetenhauses ein letztes Mal am großen Werk gefeilt wurde und die Opposition manches zu kritiseren hatte. Böger brauchte angesichts der Kritik aus den Reihen von CDU, Grünen und FDP etwas zum Knabbern und griff flugs in die Tupperdose der liberalen Bildungsexpertin Mieke Senftleben, die ihm eine ihrer vielen Mohrrüben auch von Herzen gönnte. Allerdings kam der Senator mit dem beiliegenden Schälmesser nicht klar und soweit reichte die Liebe dann doch nicht. Die Abgeordnete amüsierte sich über Unbeholfenheit mancher Männer und die Möhre blieb im Rohzustand.

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