Berlin : Kurzmeldungen

Sigrid Kneist

PRO

Der Britzer Garten ist etwas Besonderes. Das wissen Familien in der ganzen Stadt. Deswegen nehmen sie oft lange Wege auf sich, um dorthin zu kommen. In kaum einer anderen Grünanlage kann man sich so unbeschwert erholen wie dort. Der Park der ehemaligen Bundesgartenschau im Süden Berlins ist gepflegt, und vor allen Dingen ist er frei von den sonst überall zu findenden Hundehinterlassenschaften. So kann man wunderbar auf den Wiesen liegen oder picknicken. Die Kinder toben auf den Spielplätzen und buddeln fröhlich im Sandkasten, ohne dass sich Eltern Gedanken um gefährlichen Müll oder Hundekot machen müssen. Dafür zahlen sie auch gerne den geforderten Eintritt. Denn die Pflege eines solchen Parks kostet nun einmal Geld. Und wenn die öffentlichen Kassen so leer sind, wie es derzeit der Fall ist, dann muss man eben auch selbst mal dafür zahlen. Zumal einem neben der Blumenpracht auch einiges andere geboten wird. Dort ist noch etwas zu beobachten. Es bewahrheitet sich wieder einmal die Erkenntnis, dass die Leute, wenn sie für etwas Geld ausgeben müssen, mit diesen Dingen auch pfleglicher umgehen als für etwas, das sie umsonst erhalten. Auch im Park scheinen Eintrittsgelder das Wunder zu bewirken, dass die Besucher diesen in der Regel so hinterlassen, wie sie ihn vorgefunden haben. Sie werfen den Müll nicht achtlos weg, verzichten aufs wilde Grillen und zertrampeln nicht die Rabatten. Von solchen grünen Oasen kann die Stadt mehr gebrauchen. Aber sie müssen es einem wert sein.

CONTRA

Es ist eine ganz einfache Frage: Welche Aufgaben hat die Kommune – deren Funktionieren wir alle, das muss hier angemerkt sein, mit unseren Steuern finanzieren? Den Bewohnern dieser Stadt ein lebenswertes Umfeld zu bieten, gehört sicher dazu. Eintrittsgeld für die grünen Lungen zu verlangen, dagegen aber ganz sicher nicht. Denn Grünflächen gehören zu einer Stadt ebenso existenziell dazu wie Bürgersteige und Straßen. Als den Hauptgrund für ein solches Eintrittsgeld nennen die Befürworter den großen Unterhaltungsaufwand für die Grünanlagen.

Sollen wir auch für das Betreten des Trottoirs eine Gebühr verlangen? Der muss ja schließlich auch instand gehalten werden. Und selbst wenn es nur ein Euro ist, so ist das für jemanden, der nur zwei Mal täglich einen Hut voll Frischluft einatmen will, schon unverschämt viel. Wenn man aber meint, auf die Gebühren für Parks nicht verzichten zu können, dann sollte man den pfennigfuchsenden Gedanken auch konsequent zu Ende denken. Wie wäre es, die Parks einfach mit Hochhäusern zu bebauen? Dann sind wir den Aufwand für deren Pflege los, haben endlich eine großstädtische Skyline und kriegen dafür auch noch Geld. Als Ersatz böten sich ein paar Sauerstoffbars an, wo smoggeplagte Großstädter mal tief durchatmen können – inklusive Vogelgezwitscher vom Band. Es könnte aber natürlich irgendwann auch sein, dass die Bürger ihre Sachen packen, ins Grüne ziehen und die dann arbeitslosen Parkverwaltungen sich selbst überlassen. Ingo Bach

WAS MEINEN SIE?

Sollen Parkbesucher Eintritt zahlen?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie die Telefonnummer 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.tagesspiegel.de/ted

0 Kommentare

Neuester Kommentar