Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

Consulat,

Karl-Marx-Allee 133, Friedrichshain,

Telefon: 42 08 07 80,

geöffnet täglich von

10 bis 2 Uhr

Die Kulisse ist nicht schlecht. Mitten in den sozialistischen Prachtbauten der Karl-Marx-Allee ein Restaurant mit Cocktailbar zu eröffnen, erscheint als reizvolle Herausforderung. Im Geiste speisen und trinken hier Marx-Engels-Lenin-Stalin immer mit, auch wenn wohl keiner der Viererbande zu Lebzeiten je einen Singapore Sling zu sehen bekommen hat. Nun gibt es hier ein Lokal, dass sich mit noblem „C“ am Anfang „Consulat“ betitelt, also offenbar dem proletarischen Prunk die gediegene Dekadenz der Bourgeoisie entgegensetzen will. Klingt nach einem interessanten Kontrast.

Restaurant und Bar formieren sich im Erdgeschoss eines dieser Arbeiterpaläste zu einem mächtigen Eckblock. Die Wucht des Standorts setzt sich in der Bestuhlung fort – schwere schwarze Sitzpolster lasten auf hellem Holz. Wer sich im Restaurant niederlassen will, muss einige Kraft aufwenden, um den Stuhl erstmal vom Tisch wegzustemmen und sich dann wieder zentimeterweise heranzuqietschen. Auch die Tische wirken streng und klobig, dazu wirft schummriges Kerzenlicht lange Schatten. Nur ein paar Aquarien, in die Wände eingelassen und spärlich mit Fischlein bestückt, lockern die Dunkelwucht ein wenig auf.

Der drinking man und ein compañero aßen je ein kleines, wenig spektakuläres Poulardenbrustgericht. Die junge Kellnerin brachte einen Gimlet und einen Mai Tai, die sich auch das Attribut „unauffällig“ verdienten. Danach war der Wechsel in Bar und Lounge schon überfällig. Und hier wird tatsächlich ein Kontrast präsentiert: Aus dem Restaurant heraus betritt man einen vergleichsweise hellen Raum mit altweißen Sitzbänken und -würfeln sowie bunt schimmernden Milchglastischen. Nahezu durchsichtige, weiße Vorhänge wehen sanft zwischen den Sitzgruppen. Der Tresen, sachte verchromt, beschreibt eine längere, begrenzende Gerade. Auch hier ist das Personal auffällig jung. Der Keeper wirkte außerdem unerfahren, Singapore Sling und Gin Tai waren ihm kein Begriff. Auf der Karte fehlten diese Klassiker auch. Sollte das hohe „C“ in „Consulat“ eher Cnappheit als Competenz andeuten?

Es kamen ein Mojito, ein Cosmopolitan, noch ein Mai Tai und ein Gin Fizz. Sie waren alle weder sozialistisch schlecht noch bourgeois berauschend, sondern einfach da. Und irgendwann weg. Dazu grummelte Club-Culture-Sound durch den Lounge-Bar-Restaurant-Komplex. Publikum gab es kaum. Wie es scheint, ist das Consulat noch ein work in progress. Und nicht unbedingt schon ein Eckpfeiler der Karl-Marx-Allee auf dem Weg zur längsten Thekenmeile Berlins. Cann ja noch commen.

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