Berlin : Kurzmeldungen

Heute tritt Erzbischof Erwin Josef Ender sein Amt an: Er ist der neue Botschafter des Papstes in Berlin. Zuerst ist er mal auf die Siegessäule gestiegen. Neuköllner Vatikan

Claudia Keller

Erzbischof Erwin Josef Ender ist ein Mensch, der lieber Bahn fährt als fliegt, der sich eine Stadt gerne zu Fuß erobert, der lieber ausgleicht als Partei zu ergreifen. Heute tritt Ender sein neues Amt als Apostolischer Nuntius in Deutschland an. Er ist der Botschafter des Papstes, mit Sitz in Neukölln. Er sagt: „Das ist die größte Aufgabe, die ich bisher hatte“ – dabei waren schon die bisherigen nicht klein. Seit 34 Jahren ist Ender als Diplomat des Vatikan in der Welt unterwegs, zuletzt in Prag, davor in Litauen, Estland und Lettland. Anfang der neunziger Jahre war er im Bürgerkriegsland Sudan, wo er kaum etwas anderes tat, als Konfrontationen abzuschwächen. Als Nuntius in Deutschland würden sehr hohe Erwartungen an ihn gestellt, sagt der 66-Jährige. Deutschland ist eines der wichtigsten Länder für den Vatikan, und das Verhältnis der deutschen Bischöfe zum Heiligen Stuhl war in den vergangenen Jahre alles andere als entspannt.

Rom scheint nun aber keinen geschickt zu haben, der die Deutschen auf Linie bringen soll. Ender sieht seine Aufgabe darin, „unnötige Reibungen zu vermeiden“ und sich für die deutschen Anliegen in der Weltkirche einzusetzen. Und die kennt er seit 30 Jahren: Von 1970 bis 1990 leitete er im Vatikan die deutschsprachige Abteilung des Staatssekretariats. Am Montag begrüßte ihn in Berlin ein alter Freund: Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, hat mit Ender in Rom studiert. „Er war wie ein großer Bruder zu mir“, sagt Ender.

Dass mit ihm ein Deutscher Nuntius im eigenen Heimatland wird, ist eine Besonderheit, die viele deutschen Bischöfe als Vertrauensbeweis interpretieren. Einige fürchten allerdings, dass es für die deutschen Belange nicht förderlich ist, wenn sich ein Deutscher als Nuntius für sie einsetzt. Ihm könnte leichter als seinem Vorgänger Giovanni Lajolo, einem Italiener, der Vorwurf der Parteilichkeit gemacht und das Anliegen deshalb zurückgewiesen werden. Lajolo wurde im Dezember nach Rom abberufe, wo er jetzt Außenminister des Vatikan ist.

Bei aller Vorfreude auf Berlin ist Ender ein bisschen wehmütig. In Prag fühlte er sich heimisch, nicht zuletzt, weil das schlesische Städtchen Steingrund, in dem er 1937 geboren wurde, zum Prager Bistum gehört. Bei Kriegsende flohen die Enders nach Westfalen. Nach Berlin kam Ender zum ersten Mal 1957 als Schüler. Er wohnte in Grunewald, die Grenze war noch durchlässig. Nach seiner Ernennung im November 2003 besuchte er Berlin übers Wochenende. Er besichtigte den Potsdamer Platz, den Reichstag und stieg auf die Siegessäule. Sein Fazit: „Berlin lohnt sich.“ Besonders angetan hat es ihm die Architektur seines neuen Amts- und Wohnsitzes, die Nuntiatur in Neukölln. So großartig habe er noch nie gewohnt, repräsentativ und schlicht zugleich, fast wie in einem Kloster. Auch dass ein Park nebenan ist, gefällt ihm. Er gehe viel spazieren – am liebsten mit der Kamera. In seinem Gepäck reist ein großes Fotoarchiv mit, die ersten Bilder hat er als Gymnasiast gemacht. „Die Frage ist, ob ich dafür Zeit haben werde.“ Gleich heute trifft sich Ender zum Antrittsbesuch mit Erzbischof Georg Sterzinsky. Kommenden Sonntag wird er offiziell mit einer Messe in der St.Hedwigs-Kathedrale eingeführt. Bleibt kaum Zeit zum Auspacken der Koffer.

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