Berlin : Kurzmeldungen

Fatina Keilani

PRO

Ihr Hund hat da was verloren.“ – „Ick weeß.“ – „Wenn Sie das nicht wegräumen, kostet Sie das 75 Euro.“ – „Könn Se ja ma versuchen, die zu kriejen.“ – Und jetzt? Jetzt erweist sich, wer der Stärkere ist, das Herrchen mit dem undichten Hund oder der Mann vom Ordnungsamt. Bisher werden Verstöße praktisch nicht verfolgt, und das sieht man. Überall Kippen, Haufen, Müll, Ausdruck verlotterter Sitten, schlechten Benehmens und der seltsamen Vorstellung, dass der Bürger für Straßen, Parks und Plätze nicht zuständig ist. Zugleich wird das von vielen beklagt, die sich dort nicht mehr wohlfühlen. Bisher waren jene die Stärkeren, die gegen Vorschriften verstießen. Ihre Faulheit siegte, sie wurden nicht belangt. Das muss aufhören. Wenn wir Bürger den öffentlichen Raum zurückgewinnen wollen, dann dürfen wir nicht weichen. Dass die Bezirke Ordnungsämter bekommen, ist sehr gut. Doch wenn deren Mitarbeiter nicht handeln können, dann macht sich der Staat lächerlich. Rechtlich ist es möglich, ihnen die nötigen Befugnisse zu geben. Wird der Hundebesitzer, Parkbank-Zerstörer, Graffiti-Sprayer, Scheibenzerschmeißer, grölende Suffkopp, Müll- und Kippenfallenlasser renitent, so darf er damit nicht durchkommen. Deshalb sollte der obige Dialog enden mit einem Klicken der Handschellen und den Worten: „Sie sind festgenommen.“ Was meinen Sie, wie schnell sich das rumsprechen wird? Dann können Fußgänger vielleicht mal in den Himmel schauen, statt bei jedem Schritt den Boden nach Tretminen abzusuchen.

CONTRA

Was die Mitarbeiter eines Ordnungsamtes in der Realität tatsächlich erreichen, zeigt ein Blick in das Dörfchen Grießem bei Hameln. 360 Einwohner, da muss die Welt noch in Ordnung sein und der Respekt vorm Staatsvertreter beachtlich. Weit gefehlt. Als das Ordnungsamt versuchte, einen Kampfhundebesitzer zu belangen, scheiterte selbst der oberste Amtsmann kläglich. Der Hundebesitzer ignorierte alle Forderungen, berichtete die örtliche Zeitung. Im Welten entfernten Soldiner Kiez in Berlin oder im Rollbergviertel wird die Bevölkerung bezirkliche Aufpasser erst recht nicht ernst nehmen. „Da kann ja jeder kommen“ – dieser Spruch wird den weisungsbefugten Hilfskräften hier garantiert oft entgegengeblubbert. Viele Berliner haben ja nicht mal mehr Respekt vor Polizisten in Uniform. Und dann sollen sich Anarcho-Griller oder Pitbull-Halter von einer läppischen Dienstplakette beeindrucken lassen? Fehlanzeige. Nein, ob Kapitalverbrechen oder Bagatelldelikt, Verfolgung ist originäre Aufgabe der Polizei und muss es auch bleiben. Deshalb müssen nicht Ordnungsämter auf-, sondern die Polizei ausgebaut werden. Zumal Hilfssheriffs selbst zum Ärgernis werden können – wie die privaten Fahrscheinkontrolleure bei der BVG. Sie provozieren mitunter durch mangelnde Umgangsformen und fehlendes psychologisches Geschick. In Grießem hat sich der Hundehalter friedlich verweigert. In Berlin werden Hilfs-Polizisten nicht immer so glimpflich davonkommen. Und am Ende dann doch die Polizei rufen müssen. Annette Kögel

WAS MEINEN SIE?

Sollen die Mitarbeiter der Ordnungsämter durchgreifen dürfen?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cents pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.tagesspiegel.de/ted

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