Berlin : Kurzmeldungen

Peter Scheib

DIE WEINE DES MONATS

Preisfrage: Wie wird er denn nun, der 2003er? Strenge Weinkenner warten ab oder besorgen sich Fassproben, liberale Gemüter kosten einfach mal, was schon da ist. Das sind sicher noch nicht die Spitzenweine des viel beschworenen Jahrhundertjahrgangs – aber Spaß muss sein, und den holt man sich ganz gewiss mit einer Flasche des 2003er Dürkheimer Feuerberg St.Laurent , den die Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten in Bad Dürkheim gerade auf den Markt gebracht hat. Er bestätigt den Eindruck, dass der Jahrgang besonders den deutschen Rotweinen einen weiteren Schub vorwärts geben wird. Hier ist nichts mehr von der anämischen Blässe zu spüren, die viele Unkundige ja immer noch als das Hauptcharakteristikum dieser Weine ansehen, es dominieren Kraft, Farbe, Frucht. Der St.Laurent, eher in Österreich verbreitet, kommt zunehmend auch in der Pfalz zu Ehren, wo er zu einer Konkurrenz für den Dornfelder werden könnte, den Mode-Roten der 90er Jahre, der seinen Zenit längst überschritten hat. Auf den Dürkheimer Sandböden findet er, gutes Wetter vorausgesetzt, ideale Wachstumsbedingungen vor und gibt sich schnell trinkreif. Unser Wein des Monats ist gewiss noch ein junger Wilder, der sich beim Umfüllen in eine Karaffe aber beruhigt, süffig unkomplizierten Trinkgenuss bereitet und mit seinen Aromen von roten Früchten entfernt an einen Bordeaux erinnert, mit dem er tatsächlich ja nicht das Geringste zu tun hat. Die Dürkheimer Winzergenossen übrigens gelten als Musterbetrieb; sie sind die erste Pfälzer Kooperative, die es in den Gault-Millau-Wein-Guide geschafft hat, und das bei einem kaum zu überblickenden Angebot von 150 verschiedenen Abfüllungen pro Jahr. Diese eine hier kostet sehr überschaubare 6,50 Euro bei Autos&Weine am Willmanndamm 18 in Schöneberg.

Aber auch die Vorliebe für gereiften Roten wollen wir in diesem Monat gern erfüllen. Dass es im Burgenland mehr noch als anderswo in Österreich hervorragende Gewächse gibt, ist längst kein Geheimnis mehr – es kommt wie immer auf den Winzer an, dessen Sorgfalt in Weinberg und Keller den Ausschlag gibt. Erwin Tinhof aus der Landeshauptstadt Eisenstadt (Anbaugebiet Neusiedlersee-Hügelland) ist ein solcher Winzer. Er hat sein Handwerk in Südfrankreich gelernt, pachtete 1990 ein paar Hektar Rebfläche von seinem Onkel und pflegte dort die traditionellen österreichischen Rebsorten, bei den Weißen Neuburger, Muskat-Ottonel, Welschriesling und Weißburgunder, bei den Roten vor allem St.Laurent und Blaufränkisch. Innerhalb weniger Jahre drang er mit seinem kompromisslosen Qualitätsstreben in die Spitzengruppe des Landes und auf die Weinkarten der Top-Gastronomie vor und konnte die Anbaufläche fast verdoppeln, auf jetzt 11 Hektar. Sein 1999er Blaufränkisch , jetzt langsam optimal trinkreif, stammt überwiegend aus alten Reben, deren Trauben im vorzüglichen Jahr 1999 gut ausreifen konnten; der geringe Ertrag von nur 38 Hektolitern pro Hektar brachte hohe Konzentration. 15 Monate Reife im traditionellen großen Holzfass besorgten die nötige Abrundung. Der Wein zeigt ein noch ganz jugendliches Violettrot, aus dem Glas strömen die für die Rebsorte charakteristischen Düfte von Kirschen und Brombeeren, seidige Tannine und lebendige Säure füllen den Mund bis zum langen Finale. Er kann noch liegen – oder jetzt mit Genuss weggetrunken werden zu Steaks, Lamm, Ente. Die Flasche kostet 9,70 Euro bei Wegehaupt in der Kollwitzstr. 52 in Prenzlauer Berg und in der Charlottenstr.2 in Kreuzberg.

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