Berlin : Kurzmeldungen

Esther Kogelboom

Wäre Wolfgang Joop nicht schon seit langem ein gemachter Mann, er wäre es spätestens seit Freitagabend – tout Berlin erschien zur Show seines Labels „Wunderkind“. Zuallererst wäre da der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in Begleitung seines Freundes Jörg Kubicki. Auch das Charlottenburger Dreamteam Sabine Christiansen und Udo Walz fand sich im Gewühl um die besten Plätze in der Kirche an der Auguststraße wieder.

Von Blasphemie übrigens keine Spur – den Altarbereich hatten die Veranstalter sorgsam verhüllt. FDP–Chef Guido Westerwelle hatte etwas früher Feierabend gemacht, um pünktlich um 17 Uhr auf seinem weiß verpackten Stuhl Platz zu nehmen und die Herbst/Winter-Kollektion des Modeschöpfers an sich vorbeiziehen zu lassen. Ach ja, Sänger Bryan Adams war auch da und zeigte sich erst den Fotografen und bald darauf sehr angetan vom urbanen Schick der Models. Denn wenn es nach den Ideen Wolfgang Joops ginge, dann wird die normalerweise für ihre Modemuffeligkeit zu Unrecht gescholtene Berlinerin in der nächsten Saison zur kapriziösen Dame: feinste Kostümjäckchen, kecke Hüte, transparente Tops, Schulterwärmer aus Tierfell, elegante Strümpfe, kalte Signalfarben, schillernde Metalltöne. aufgenähte Blüten. Ein kontrastreicher Traum mit gleichermaßen futuristischen wie auch Vintage-Anklängen, den die geladenen Gäste mit reichlich Beifall bedachten.

Doch der strahlende Couturier – der übrigens bald am Heiligensee eine neue Nachbarin bekommen soll: die Witwe Tatjana Gsell (siehe Text rechts) – ließ sich trotz des Erfolgs nur zu einer kurzen Runde durchs begeisterte Publikum hinreißen. Dabei wird Wolfgang Joop eines auf jeden Fall längst erkannt haben: Eine schöne Modenschau mit entspannten, gut gelaunten Gästen kann am Ende so viel Glamour in die Stadt bringen, dass dem Presseball die Show gestohlen wird. Beispielhaft: der Dialog Wowereit–Christiansen. Er: „Und, gehste auf den Ball?“ – Sie: „Nee, und du?“ Antwort: ein vielsagendes Lächeln.

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