Berlin : Kurzmeldungen

Ulrich Zawatka-Gerlach

HINTER DEN KULISSEN

Es kommt selten vor, dass CDU-Politiker aus dem Koalitionsvertrag zwischen SPD und PDS zitieren. Aber in diesem Fall tun sie es mit diebischem Vergnügen. Auf dem Landesparteitag der Christdemokraten, der heute beginnt, werden bunte Postkarten verteilt, auf dem der SPD-Landesvorsitzende Peter Strieder zu sehen ist. Er steht neben dem markanten Betonzelt des Neuen Tempodroms und stopft Geldscheine oben rein. Daneben das Zitat aus der Regierungsvereinbarung: „Allen Formen von Filz, Vetternwirtschaft und Korruption sagt die Koalition den Kampf an.“ Die Fotomontage soll flächendeckend in der Stadt verteilt werden. Die Startauflage: 10 000. Am nächsten Wochenende sind die Postkarten an allen Straßenständen der Berliner CDU zu finden.

Der FDP-Fraktionschef Martin Lindner hat eine scharfe Zunge, wird aber als ehrliche Haut und verlässlicher politischer Gegner auch von SPD-Politikern geschätzt. Während eines Empfangs bei Pomp, Duck and Circumstances traf Lindner zufällig auf den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. Der hat durchaus einen Blick für schöne Frauen und beglückwünschte die Liberalen, weil sie so eine attraktive Kandidatin für Europa haben. Silvana Koch-Mehrin, die smarte, blonde Spitzenkandidatin, soll am 13. Juni für die Bundes-FDP ins Europaparlament einziehen. Sie tritt allerdings in Baden-Württemberg an. Für Berlin hat Lindner den SPD-Mann Wowereit mit charmantem Lächeln auf die Abgeordnetenhauswahl 2006 vertröstet: „Da gehe ich an den Start.“

Die Sozialdemokraten sind stolz wie Bolle, dass sie den ehemaligen Chef von Universal Music, Tim Renner, als Experten für die Hauptstadt-Enquetekommission gewonnen haben. Am Donnerstag hat der 36-jährige Kulturmanager verbindlich zugesagt. Aber auch die anderen Fraktionen freuen sich, dass es gelungen ist, das Parlamentsgremium zur Erforschung der „Zukunft für Berlin“ hochkarätig zu besetzen. Unternehmer, Verwaltungsreformer und Hochschulprofessoren machen mit. Alle fünf Fraktionschefs werden in der Kommission sitzen – und ein alter Bekannter. Der alerte Netzwerkknüpfer und ehemalige Kultursenator von der CDU, Volker Hassemer.

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