Berlin : Kurzmeldungen

Sigrid Kneist

PRO

Im öffentlichen Dienst hat vieles mit Gewöhnung und Besitzstandswahrung tun, so auch die Gewährung verschiedener Privilegien. Wenn deren Abschaffung ansteht, berufen sich die Beamten darauf, dass es diese schon immer gab und man sich darauf verlassen hat. Wenn der Senat jetzt plant, das Pensionsalter für Polizisten und Feuerwehrleute, das bisher bei 60 Jahren lag, anzuheben, dann hat er Recht damit. In Zeiten voller Kassen kann ein Staat es sich vielleicht leisten, bestimmten Berufsgruppen Vergünstigungen zu gewähren. Aber diese Zeiten sind in Berlin schon lange vorbei. Abgesehen davon, dass es auch anderen Berufsgruppen gegenüber nicht gerade gerecht ist, nur diese Beamten schon früh in den Ruhestand zu entlassen. Sicher haben Polizisten und Feuerwehrleute einen nervenaufreibenden und oft auch gefährlichen Job. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie alle zwangsläufig mit 60 Jahren so am Ende sind und nicht mehr arbeiten können. Zumal ja sogar Beamte, die seit Jahren im Innendienst tätig waren und selber schon lange keinen Einsatz mehr mitgemacht haben, in den Genuss dieses Privilegs kamen. Natürlich muss nicht jeder Polizist bis zum Berufsende draußen unterwegs sein. Aber es gibt bestimmt genügend Tätigkeiten innerhalb der Behörde, die er mit seiner großen Berufserfahrung erledigen kann. Und wer wirklich durch den Job so angeschlagen ist, wird auch weiterhin gesundheitsbedingt in den Ruhestand gehen können.

CONTRA

Wir wären so oft verloren ohne sie. Sie beschützen und retten uns in dunklen Nächten auf gefährlichen Straßen. Für uns riskieren sie ihr Leben. Wenigstens ihre Gesundheit. Sie werden manchmal getreten, geschlagen und gebissen. Aber meistens behalten die Polizisten den Überblick in gefährlichen Situationen. Selbst wenn es brennt, bleiben sie cool. So wie ihre Kollegen, die Feuerwehrmänner. Der Staat garantiert ihnen dafür eine frühere Pensionierung mit 60. Das ist für viele ein Licht am Berufshorizont. So ist der Vertrag. Jedenfalls bisher. Denn künftig soll die ersehnte Pensionierung zwei, drei oder fünf Jahre später beginnen.

Der Senat will das Rentenalter für Polizisten und Feuerwehrmänner anheben. Das ist keine gute Idee: Denn erstens scheiden aus gesundheitlichen Gründen viele sowieso schon früher aus dem Dienst. Zweitens hätte es jemand, der sich 30 Jahre lang täglich vom möglichen Schlag mit der Eisenstange bedroht fühlt, verdient, möglichst viele Jahre in Frieden zu verbringen – und zwar solange er sie gesundheitlich noch auskosten kann: mit Anfang 60. Pläne, die drei Wintermonate des Jahres in Spanien zu verbringen, platzen, wenn die spätere Pensionierung wie geplant Gesetz wird. Mit 65 Jahren ist der dritte Frühling im Leben schon beinahe in den Herbst übergegangen. Der Staat würde ein Versprechen brechen, auf das sich seine Diener verlassen haben. Die Betroffenen haben daher Recht, wenn sie ihr Vertrauen missbraucht sehen. Maxi Leinkauf

WAS MEINEN SIE?

Sollen Polizisten und Feuerwehrleute länger als bis 60 arbeiten?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.tagesspiegel.de/ted

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