Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

Lola Lounge, Rosa-Luxemburg-Straße 17 in Mitte, Telefon: 27594430, geöffnet mittwochsund donnerstags von 20 bis 2 Uhr, freitagsund sonnabends bis 5 Uhr

Es ist schwierig geworden, in Mitte eine Bar mit neuem, aufregendem Ambiente zu präsentieren. Inzwischen gibt es mehrere Lokale, die den Standard des elegant drinking über längere Zeit halten können (Windhorst, Reingold, Riva, Felix). Außerdem werden allmählich die originellen Konzepte rar, manche neue Bar in Mitte wirkt wie schon einmal gebaut. Deshalb war die Hoffnung des drinking man eher gering, in der Lola Lounge auf das Unerwartete zu treffen und es zu genießen. Aber es könnte ja sein, nicht wahr?

Und dann: Der Eingang überrascht. Gut, Kellertreppen sind nichts Ungewöhnliches, aber hier muss man 26 Stufen durch einen rotschummrig beleuchteten Gang hinabsteigen und eine schwere Eisentür aufstemmen. Ist es vollbracht, entfaltet sich eine weitläufige Lokallandschaft: Bar, Lounge und Restaurant gehen ineinander über, eingegrenzt und durchzogen von rohen Backsteinwänden. Der unteriridische, mit reichlich Tischen ausgestattete Komplex atmet den Charme einer edelmorbiden Kellerruine. 1946 de Luxe. Mit einem seltsam abgesperrten Rondell. Mitten im Raum hängt eine kreisrund geschlossene, weiße Stoffwand. Als sie sich schließlich teilweise hebt, kommt eine Tanzfläche zum Vorschein. Die aber, zumindest beim Besuch des drinking man und seiner Begleitung, tanzfrei bleibt.

An dem Tresen sind Schalensitzhocker im 70er-Retro-Stil aufgereiht. Die moderne Bar steht ein wenig in Kontrast zur rustikalen Backsteinoptik. Offenkundig versuchen die Betreiber der Lola Lounge, die unbewussten, aber vielfältigen Designwünsche ihrer Gäste zu befriedigen. Da ist das Konzept dieses Lokals zu ahnen: ein Rundum-Wohlfühl-Paket für die schon etwas arrivierte dining-drinking-dancing-crowd. Die Cocktailkarte wirkt denn auch angemessen üppig.

Und provoziert einen entsprechenden Konsum. Der drinking man, die compañera, die amiga helvetica-americana und ihr compañero fühlten sich animiert, mehr als nur je einen Drink zu verkosten. So kamen ein The Bronx (Bombay Sapphire Gin, Vermouth Dry und Rosso, Orangensaft): guter Einstieg; ein Manhattan Dry (Canadian Club, Vermouth Dry, Angostura): es geht passabel weiter; und ein Gimlet: Oh no! Im Whisky-Glas! Dieser Patzer wurde aber wieder ausgeglichen, die Mai Tais und die beiden Bombay Crushed (Bombay Sapphire, Limettensaft, Rohrzucker, Kumquats) waren erfrischend und kaum zu verbessern. Sex on the Beach, Daiquiri (unfrozen) und Planter’s Punch fielen dann nicht mehr weiter auf. Die compañera nahm noch den üblichen Virgin-Drink zu sich, diesmal einen hübschen Tong Tana (Limetten, Minze, Rohrzucker, Soda), äußerlich von einem Mojito nicht zu unterscheiden.

Wo man lange und viel trinkt, kann es nicht schlecht sein. Die Lola Lounge läuft allerdings Gefahr, zu viel des Guten zu bieten, vor allem der optischen Sättigung durch die vielen Design-Elemente. Aber immerhin ist es gelungen, die (nicht mehr ganz so) neue Prächtigkeit von Mitte noch anzureichern. Auch schön.

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