Berlin : Kurzmeldungen

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IMMER ZIRKUS UMS ZELT

1980: Mittels einer Erbschaft kauft die Krankenschwester Irene Moessinger ein Zirkuszelt und gründet am Potsdamer Platz direkt an der Mauer die alternative Kulturstätte Tempodrom.

1984: Das Tempodrom zieht in den Tiergarten um: auf den Parkplatz der Kongresshalle – heute Haus der Kulturen der Welt – in der Straße In den Zelten.

1992: Bundesregierung und Senat sprechen sich gegen das Tempodrom im künftigen Regierungsviertel aus – es läge in Sichtweite des neuen Bundeskanzleramtes. Eine langwierige Suche nach einem neuen Platz für das Zelt beginnt.

1995: Die Kreuzberger Bezirksverordnetenversammlung schlägt auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Peter Strieder (SPD) als neuen Standort den Platz am Anhalter Bahnhof vor.

1995: Die „Stiftung Neues Tempodrom“ wird gegründet. Die Baukosten werden zunächst mit 16,4 Millionen Euro veranschlagt.

2000: Der Bau des Tempodroms beginnt mit der Grundsteinlegung im Mai. Doch noch vor Baubeginn steigen die Kosten wegen Planungsänderungen auf 22,7 Millionen Euro. Private Sponsoren sollen 0,7 Millionen Euro aufbringen, aus EU-Umweltförderprogrammen sind 5 Millionen Euro vorgesehen. Hinzu kommen 3,1 Millionen Euro als Entschädigung für den Umzug aus dem Tiergarten, 3,1 Millionen Euro Lottomittel sowie 12,8 Millionen Euro der Investitionsbank Berlin (IBB). Für diesen Kredit bürgt das Land Berlin zu 80 Prozent. Im zuständigen Bürgschaftsausschuss saßen die damaligen Senatoren Peter Kurth (Finanzen) und Wolfgang Branoner (Wirtschaft), beide CDU.

2001: Die Baukosten steigen weiter. Irene Moessinger schreibt einen Brief an Strieder: „Die Liquidität ist bis Ende August noch garantiert, danach tritt der Supergau für die Finanzierung (…) ein.“ Im Oktober bewilligt der rot-grüne Übergangssenat auf Vorlage Strieders einen Zuschuss von 6,9 Millionen Euro. Davon zahlt das Land 1,8 Millionen Euro, die IBB im Rahmen eines Sponsoringvertrags 3,1 Millionen Euro und die Lottostiftung weitere 2 Millionen Euro. Zugleich übernimmt der Senat den Stiftungsrat.

2001: Am 8. Dezember wird das Tempodrom mit einer Galaveranstaltung eröffnet.

2002: Erneut fehlt Geld. Die IBB zahlt nochmals gut 1,7 Millionen Euro. Insgesamt sind in das Tempodrom-Projekt schon rund 33 Millionen Euro gesteckt worden.

2003: Das Abgeordnetenhaus verweigert weitere Zuschüsse von 0,9 Millionen Euro, mit denen unter anderem Handwerkerrechnungen bezahlt werden sollen. Das Tempodrom soll verkauft werden. Die CDU erstattet gegen Stadtentwicklungssenator Strieder Anzeige wegen Untreue.

2004: Die Verkaufsverhandlungen ziehen sich hin. Drei Interessenten sollen noch im Rennen sein.ddp/Tsp

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