Berlin : Kurzmeldungen

Nicola Kuhn

PRO

Natürlich gehört die Gemäldegalerie auf die Museumsinsel; dorthin, wo sie sich ursprünglich befand, bevor Krieg und Mauerbau die Sammlung zerteilte. Wenn 2006 das Bode-Museum wieder feierlich eröffnet wird, wird man einen Vorgeschmack auf das bekommen, was in diesen Räumen möglich ist. Zwar werden in den restaurierten Sälen vornehmlich Skulpturen zu sehen sein, doch gemischt mit Gemälden, annähernd wie es dort Wilhelm von Bode mit seinen period rooms einst vorgemacht hatte. Die Frage nach mehr Malerei im Bode-Museum wird sich automatisch stellen. Denn im 1998 eröffneten Neubau der Münchner Architekten Hilmer und Sattler sind Rubens, Rembrandt und Co. eigentlich nie recht angekommen, zumindest in der Wahrnehmung des Publikums. Erst durch die Rückkehr an ihren ursprünglichen Standort in der Mitte Berlins würde sich wieder ein Bewusstsein für eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt entwickeln können. Am Kulturforum ist das nie gelungen und wird wohl auch trotz aller museumspädagogischer Anstrengungen und geplanter baulicher Veränderungen kaum zu schaffen sein. Es wäre ein Coup, stattdessen hier die Kunst des 20. Jahrhunderts zu beheimaten – mit dem Mies-van-der-Rohe-Bau als Flaggschiff und Ausstellungshalle. Die einstigen Säle der Gemäldegalerie dahinter bieten sich automatisch als Standort für die Sammlung an. Damit wäre das Kulturforum endgültig in der Gegenwart angekommen – als Widerpart zum quirligen Leben des Potsdamer Platzes.

CONTRA

Zugegeben, der Standort der Gemäldegalerie, versteckt am Rand des Kulturforums, ist nicht ideal. Auch die schräge graue Ebene, euphemistisch „Piazetta“ genannt, ist ebenso keine Glanzleistung wie das schmucklose Museumsfoyer. Das alles wird den Alten Meistern nicht gerecht. Die Gemäldegalerie aber sehr wohl. Sie ist einer der schönsten Museumsbauten der Stadt. Der Bau des Architektenbüros Hilmer, Sattler und Albrecht mit seiner wunderbaren Säulenhalle ist der ideale Ort für die Gemälde, auch und gerade, weil sich das Haus in den Kabinetten den Bildern unterordnet. Dieses Gebäude aufgeben und womöglich die erst 1998 nach langen Jahren der Trennung wiedervereinte Sammlung erneut auseinander reißen? Nein! Gerade die jetzt angelaufene Ausstellung mit Meisterwerken aus dem MoMA zeigt – Besucherströme sind vor allem eine Frage des Marketings. Da ist den Staatlichen Museen in den letzten Jahren einfach zu wenig eingefallen. Oder können Sie sich an ein Plakat mit dem Hinweis auf die Gemäldegalerie erinnern? Ich nicht. So schwer kann es doch nicht sein, die Massen, die zur Neuen Nationalgalerie strömen, auch dafür zu begeistern ein paar Meter weiter in die Gemäldegalerie zu gehen. Die Galerie sollte so etwas wie ein Magnet für das Kulturforum sein, dann muss man sie auch entsprechend einsetzen. Wenn sie weg ist, was bleibt dann für das Kulturforum? Abgesehen davon ist die Gemäldegalerie jetzt ein Geheimtipp. Wer Bilder in Ruhe betrachten will, ist hier bestens aufgehoben. Matthias Oloew

WAS MEINEN SIE?

Soll die Gemäldegalerie auf die Museumsinsel verlegt werden?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.meinberlin.de/ted

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