Berlin : Kurzmeldungen

Werner van Bebber

PRO

Wenn Geld das Maß aller Dinge ist, gibt es keine Basis für den Senat, noch etwas für die KPM zu tun. Doch muss man sich die Chancen für das Unternehmen nicht schön rechnen, um einige Argumente für öffentliche Überlebenshilfe zu finden. Der schwächste Grund: Eine überstürzte Abwicklung der KPM hätte Folgekosten, die ebenfalls aus öffentlichen Kassen zu bestreiten wären, angefangen mit Arbeitslosenhilfen und Pensionen. Das gilt, zugegeben, für alle subventionierten Unternehmen. Stärker als das Arbeitslosen-Argument ist ein historisches: Die KPM mit ihren teils schönen, teils eigenartigen Produkten stand von Anfang an oft kurz vor der Pleite – und wurde wundersamerweise immer gerettet. Irgendeine helfende Hand hat das feine Porzellantässchen immer eine Sekunde, bevor es auf dem Boden zerschellen sollte, aufgefangen. Wenn es stimmt, was man aus dem Unternehmen hört, dann wäre es dumm, wenn der Senat sich zu einem Zeitpunkt aus der Manufaktur zurückzieht, zu dem eine Besserung der Ertragslage absehbar ist. Gerade weil die KPM für so etwas wie unternehmerischen Überlebenswillen im märkischen Treibsand steht – und das hat in diesen finsteren Zeiten öffentliche Anerkennung verdient. Der stärkste Grund: Es wäre politisch unfair und feige, nach den großen Fehlern mit der Geldvernichtungsmaschine Tempodrom die KPM verrecken zu lassen nach dem Motto: Dem Tempodrom haben wir zu viel gegeben – nun gibt’s gar nichts mehr für niemanden.

CONTRA

Nicht alles, was Tradition hat in Berlin, muss mit öffentlichen Mitteln am Leben erhalten werden. Schon gar nicht in dieser Zeit, wo an allen Enden und Ecken gespart wird. Nein, großzügige Subventionen kann sich der Senat diesmal nicht leisten. Das würden viele Menschen in der Stadt nicht mehr verstehen, auch wenn sie vielleicht manch nostalgische Gefühle für die Manufaktur hegen. Deswegen darf der Senat jetzt auf keinen Fall in die Bresche springen und dem in finanzielle Schieflage geratenen Unternehmen der landeseigenen Investitionsbank Berlin mit Millionenbeträgen wieder auf die Beine helfen. Denn die Erfahrung mit defizitären Projekten in der Stadt zeigt leider meist auch, dass es nicht bei einer einzigen Finanzspritze bleibt. Fast immer werden weitere Zahlungen fällig. Nach dem Motto: Wenn man schon einmal etwas dazugeschosssen hat, dann soll es nicht umsonst gewesen sein. Wozu das führt, ist derzeit am Beispiel Tempodrom sehr eindrucksvoll zu beobachten. Diesen Fehler sollte der Senat bei der KPM nicht noch einmal machen. Wer weiß schon, ob die Porzellanmanufaktur so auf Dauer zu retten ist. Am günstigsten wäre es, das Unternehmen vernünftig zu verkaufen. Aber wenn dies nicht gelingt, dann muss man den Gang in die Insolvenz wagen. Denn manchmal besteht darin durchaus auch eine Chance. Oft gelingt es dabei, sich von Ballast zu trennen und einen am Markt überlebensfähigen Kernbereich zu erhalten. So wird auch das Markenzeichen KPM weiter bestehen können. Sigrid Kneist

WAS MEINEN SIE?

Soll der Senat die Königliche

Porzellan-Manufaktur retten?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.meinberlin.de/ted

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