Berlin : Kurzmeldungen

Ulrich Zawatka-Gerlach

HINTER DEN KULISSEN

Die „Berliner Tage“ in Moskau, die am Montag beginnen, üben eine magische Anziehungskraft auf unsere Landespolitiker aus. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit fliegt am Sonntag für vier Tage in die russische Hauptstadt; auf Einladung seines Amtskollegen Juri M. Luschkow. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder wird dem Moskauer Komitee für Architektur und Städtebau die Sanierung von Berliner Plattenbauten nahe bringen. Und auch der Bürgermeister und Wirtschaftssenator Harald Wolf darf nicht fehlen; immerhin präsentieren sich in der Partnerstadt über 100 Berliner Unternehmen. Dann reist auch noch eine Delegation des Abgeordnetenhauses unter Leitung des Parlamentspräsidenten Walter Momper nach Moskau, um mit Vertretern der Stadtduma zu sprechen. Die Beziehungen sind allseits gut. Schon das preußische Berlin lag nicht weit von der Moskwa.

Die Märzsonne, die durch die gläserne Kuppel in den Plenarsaal schien, hat die Hauptausschussvorsitzende Hella Dunger-Löper offenbar beflügelt. Sie eröffnete die Haushaltsberatung des Parlaments am Donnerstag mit ungewohnt lyrischen Tönen: „In dieser Woche ist der Frühling eingezogen, und das ist sicher ein gutes Zeichen.“ Für was? Jedenfalls nicht für eitel Harmonie. Am späten Abend fanden Regierung und Opposition nur noch böse Worte füreinander, und kurz vor 23 Uhr drehte Parlamentspräsident Walter Momper einem ziemlich aufgeregten FDP-Fraktionschef Martin Lindner sogar das Mikrofon ab. Und der PDS-Haushaltsexperte Carl Wechselberg höhnte, dass man nun „die vielen Krokodilstränen wegfeudeln muss“, die von der Opposition an diesem langen Parlamentstag vergossen worden seien.

Vielleicht braucht das Abgeordnetenhaus doch bald eine Kita. Wegen der vielen wichtigen Abstimmungen zum Landeshaushalt durfte kein Volksvertreter der Plenarsitzung fernbleiben. Sonst hätte es mächtig Ärger gegeben. Der PDS-Abgeordnete Norbert Pewestorff fand am Vormittag wohl niemanden, um sein Töchterchen zu hüten. Gemeinsam mit dem Teddy und einer großen Teeflasche saß die einjährige Anne Gerda auf Papas Schoß und klatschte begeistert mit, sobald jemand aus den Reihen der Koalition sprach. Schräg gegenüber, auf den Bänken der CDU, verfolgte der kleine Linus, erst vier Monate alt, relativ desinteressiert die Debatte. Die Mama, Katrin Schulze-Bernd, brachte ihren Sohn in der Babytrage mit. Kinder im Parlamentssaal? Dazu sagt die Geschäftsordnung nichts.

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