Berlin : Kurzmeldungen

Werner van Bebber

PRO

Zwei tote Radfahrer an einem Tag, zwei Mal der gleiche schreckliche Unfall. Beide Unfälle – der mit dem neun Jahre alten Jungen in Charlottenburg und der mit dem 59 Jahre alten Mann in Tempelhof – sind womöglich auf schlichte, tödliche Unaufmerksamkeit der Lastwagenfahrer zurückzuführen. Dagegen helfen Vorrangschaltungen an Ampeln nichts, die Radfahrern ein paar Sekunden Vorsprung geben, bevor die Autofahrer grün bekommen. Die Vorrangschaltungen ändern auch nichts am toten Winkel, den Lastwagenfahrer rechts neben ihren Lkws nicht einsehen können. Trotzdem sollten möglichst viele Ampeln so geschaltet werden, dass zuerst die Radfahren losfahren dürfen und die Chance haben, auf einer gefährlichen Kreuzung gesehen zu werden. Aus einem simplen Grund: Weil man jede Möglichkeit nutzen sollte, um die am meisten gefährdeten Verkehrsteilnehmer, Rad fahrende Kinder und Jugendliche, zu schützen. Verkehrsfachleute halten dagegen, dass Autofahrer sich an der Radfahrerampel orientieren und den Sicherheitseffekt kaputt machen, indem sie auch früher losfahren. Das ist allenfalls ein Argument, um alle Ampeln abzuschalten – weil sie gelegentlich missachtet werden. Die Kosten für die Umschalt-Aktion könnten Senat und Bezirke dadurch erwirtschaften, dass sie einige der vielen sinnlosen Ampeln an Magistralen abschalten. Das bremst auch und macht das Geld, das für die Radfahrer-Ampeln gebraucht wird, frei.

CONTRA

Auf den ersten Blick mag es unlogisch erscheinen, dagegen zu argumentieren. Dagegen, dass Radfahrer eine eigene Ampel bekommen, die ihnen erlaubt, vor den Autos loszufahren, damit die Menschen hinter dem Steuer sie besser sehen. Doch es gibt gute Gründe gegen die Vorrangschaltung für Radler, denn sie ist ein Auslaufmodell. Und so wie der CD-Player den Plattenspieler ablöste, so müssen jetzt ganz andere, modernere Präventionsmaßnahmen auf die gute alte Radfahrerampel folgen. Zumal sich schon manch Autofahrer nach ihr richtet und bereits bei Radfahrer-Grün Gas gibt. Denn es geht noch besser, noch sicherer. Andere Großstädte machen es vor, London etwa mit seinen vielen Radfahrspuren. Da dürfen Radler die Autos seitlich überholen und vor bis an die Ampel rollen. So warten sie nicht auf gleicher Höhe und sind viel besser im Blickfeld. Berlin braucht auch mehr Extra-Ampeln für rechts abbiegende Autos. Zuletzt hat sich schon Berlin-Sponsor Hans Wall dafür bei Senator Strieder stark gemacht. An diesen Ampeln dürfen zwar nur Autos und Lkw rechts abbiegen und die Radler auf dem Streifen nebenan müssen warten. Doch sie dürfen gleich danach fahren, ganz allein. Und dann sollte sich jeder Fuhrunternehmer diese holländischen Dobli-Spiegel, die den toten Winkel auf beinahe Null verringern, besorgen – TÜV-Abnahme hin oder her. Jedenfalls solange, wie nicht Außenkameras an Lkws zur Regel auf den Straßen werden: Da sieht der Fahrer dann auf einem Bildschirm, ob da unten neben ihm einer in die Pedale tritt. Annette Kögel

WAS MEINEN SIE?

Soll es an Ampeln Vorrangschaltungen für Radfahrer geben?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.meinberlin.de/ted

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