Berlin : Kurzmeldungen

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HINTER DEN KULISSEN

Als sich der afghanische Präsident Hamid Karsai am Dienstag in das Goldene Buch der Stadt eintrug, bat ihn der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit zu einem kurzen Gespräch ins Amtszimmer. Man tauschte Höflichkeiten aus und Karsai bekundete, dass er das Büro des Regierenden im Roten Rathaus wirklich schön fände. „Es fehlt aber noch ein afghanischer Teppich!“ Wowereit lachte, solche Scherze mag er. Der Gast vom Hindukusch wird momentan andere Sorgen haben als Berlin auch noch Teppiche frei Haus zu liefern.

Julia Witt, die Referentin des Wirtschafts-Staatssekretärs Volkmar Strauch ist eine ziemlich ausgeschlafene Person. Als sie mitbekam, dass sich der Unternehmer Hans Wall über die unflexible Bürokratie in Berlin beschwerte, bewarb sie sich bei ihm für ein Praktikum. Um zu beweisen, wie flexibel Berliner Beamte sein können. Zwei Wochen später kam die Antwort: Sie könne in drei Tagen bei der Firma Wall ihr Praktikum antreten. Hoppladihopp ließ sich Witt beurlauben und bummelt nun beim Privatunternehmen ihre öffentlichen Überstunden ab.

CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer hat das Disziplinproblem in seiner Abteilung gelöst, jedenfalls auf dem Papier. Monatelang hatten einige CDU-Abgeordnete auf die Mängel an Disziplin bei ihresgleichen hingewiesen – es schien, als kämen einige zur Fraktionssitzung bloß, wenn sie absolut nichts Besseres vorhatten. Nun hat Zimmer seine Kollegen daran erinnert, dass „Präsenz“ in den Sitzungen der Fraktion und des Abgeordnetenhaus zu den wesentlichen Pflichten der Parlamentarier gehöre. Dass Zimmer es richtig brutal ernst meint, zeigt die Geldstrafe, die er angedroht hat: Wer unentschuldigt fehle, verpflichte sich, zu Gunsten der Fraktion „den in der Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses vorgesehenen Betrag für die Nichtteilnahme an Ausschusssitzungen zu zahlen“. Das sind 50 Euro. Zimmer behält sich auch ein erzieherisches Gespräch mit schwänzenden Abgeordneten vor.

Seit Donnerstag gibt es den Text für eine Hymne auf Peter Strieder. FDP-Fraktionschef Martin Lindner hat den Text verfasst und vorgetragen. Anlass war eine kleine Debatte über die „Rüge des Abgeordneten und Senators Strieder für seine ehrverletzende Beschimpfung eines Abgeordnetenkollegen“. Gemeint war, dass Strieder seinen Parteifreund H.G. Lorenz als „Quartalsirren“ bezeichnet hatte. Lindner sprach zuerst über seine Schwäche für Lorenz. Bei ihm handele es sich um einen „Salonrebellen mit seinem Nadelstreifenanzug und Goldkettchen“. Dann erinnerte Lindner die SPD an das Copyright für Strieders Schimpfwort: „Das mit dem Quartalsirren hat die SPD von uns. Genauso wie das Projekt 18.“ Schließlich kam der FDP-Fraktionschef auf seine Schwäche für Strieder und nannte dafür drei Gründe: „Wir haben das nicht zu verantworten, dass der bei Senatswahlen durchfällt“, war der erste – eine Anspielung darauf, dass Strieder 2001 zwei Wahlgänge gebraucht hatte, um Senator zu werden. „Das ist ein Punkt, für den er allein schon erhaltenswert ist“, höhnte Lindner, „wer sollte sonst künftig bei den Wahlen zum Senator durchfallen? Wer sonst verlegt dann Straßenbahngleise in der Leipziger Straße? Oder reitet so verkrampft auf dem Elefanten wie Strieder?“

PDS-Mitarbeiter Thomas Barthel war sehr irritiert. Am Donnerstag erhielt er eine SMS mit folgendem Inhalt: „Strieder zurückgetreten. Fraktionssitzung nachher. Gruß, Stefan.“ Barthel rief sofort die in der SMS angezeigte Telefonnummer an. Statt der Stimme seines Fraktionschefs Stefan Liebich aber hörte er nur ein tiefes, kurzes „Hallo?“ Es meldete sich der christdemokratische Abgeordnete Karl-Georg Wellmann. April, April. sib/za/wvb.

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