Berlin : Kurzmeldungen

Von Berliner Filmlegenden erzählte die Serie, zu der der Tagesspiegel seine Leser ins Kino einlud. Zum Abschluss gab es ein Meisterwerk zu sehen. Außerdem lagen der Zeitung Nachdrucke von Plakat-Klassikern bei. Auf Originale hat sich hingegen ein Laden in den Hackeschen Höfen spezialisiert. Bis zu 7500 Euro kann so ein Stück schon mal kosten Schrecken vom Amazonas inklusive

Andreas Conrad

Man hätte beim letzten Umzug besser aufpassen sollen. Oder war es der vorletzte, als das Plakat von „Rosemaries Baby“ verloren ging? Seit den Siebzigern – dank erfolgreicher Bettelei beim Betreiber eines Provinzkinos – war es ein treuer Begleiter, hing in der Studentenbude und später in der ersten eigenen Wohnung. Doch nun ist es weg: ein altmodischer Kinderwagen überm Abgrund, darunter der Filmtitel, eine düstere, bedrückende Szene in Schwarz und Weiß – angemessen, wenn der Leibhaftige ein Kindlein zeugt.

„Kein schönes Plakat. Kostet bei mir nur 100 Euro.“ Helmut Hamm, Betreiber des Ladens „Filmposter.Net“ in den Hackeschen Höfen, klappt die riesenhafte Tür zu seiner Schatzkammer auf, einem Wandregal voller Kartons, greift einen heraus, beginnt zu kramen – und hält auch schon das vertraute Motiv des Roman-Polanski-Schockers in der Hand, die deutsche Version. Und noch einmal greift er zu, breitet schon das amerikanische Original vor dem Besucher aus, blickt ihn erwartungsvoll an. In der Tat, das ist einige Klassen besser, wieder der Kinderwagen, aber grünlich eingefärbt, darüber riesenhaft das Profil von Mia Farrow. Kostet aber gleich 350 Euro.

Ein stolzer Preis, doch nur ein Klacks gegenüber den 7500 Euro, die ihm ein Sammler für ein Plakat von „Attack of the 50 Foot Woman“ aus dem Jahr 1958 hinblätterte, oder den immerhin 5000 Euro, die ein anderer bereitwillig für ein Poster des Jack-Arnold-Films „Der Schrecken vom Amazonas“ von 1954 zahlte. Eine echte Rarität: Das Monster mit der leicht bekleideten Schönen im Arm galt damals als anstößig und wurde rasch zurückgezogen.

Dass er von seiner Sammelleidenschaft einmal leben könnte, hätte sich Helmut Hamm nie träumen lassen. Privat hat er ihr eigentlich schon immer gefrönt. Mal waren es Comics, mal Schallplatten – in jeden Fall ein ruinöses Vergnügen. Auf Filmplakate kam er eher zufällig, über den Kontakt zu einem Händler in New York, der ihn vor einer USA-Reise gefragt hatte, ob er denn nicht einige deutsche Filmplakate mitbringen könne. Damals kein Problem, Werbematerial zu Werner Herzogs „Aguirre, der Zorn Gottes“ oder anderes aus der Autorenfilmer-Ecke waren noch für ein paar Mark zu bekommen. Anfangs ergab sich so nur ein Nebenerwerb, hauptberuflich hatte sich der studierte Verwaltungsangestellte im Windkraftgewerbe verdingt. Erst vor vier Jahren sattelte er endgültig um, meldete ein Gewerbe an, das anfangs noch von seiner Wohnung aus betrieben wurde.

Seit Anfang dieses Jahres hat er ein Ladengeschäft in den Hackeschen Höfen gemietet. Schon geschäftlich war das notwendig geworden. Ab einer gewissen Preisklasse kann er sein Metier nicht nur übers Internet betreiben, sondern muss seine Waren auch zeigen können. 2000 Filmplakate und anderes Kino-Werbematerial bietet er auf seiner Homepage an, insgesamt hat er zwischen 2500 und 3000 Plakate auf Lager. Besonders gut sortiert ist er beim Kino des New Hollywood, bei den Sciencefiction-Filmen der Fünfziger und beim Kunstkino von Nouvelle Vague und deutschem Autorenfilm. Zusammengekauft hat er seine Schätze bei Filmbörsen, auf Auktionen, bei anderen Händlern. Besonders in England und den USA gibt es einen florierenden Markt, Deutschland ist da noch immer Entwicklungsland. Konkurrenten hierzulande? Er wüsste keinen.

Seine Lieblingskunden sind Leute wie der Filmfreund, der unlängst mit dem Begleitbuch zur letzten Berlinale-Retrospektive „New Hollywood“ in den Laden kam. Er ziehe bald nach Berlin, wolle sich die Wohnung mit den Plakaten zu diesen Filmen dekorieren. Was man da machen könne? Nun, eine ganze Menge. Noch jetzt hängen im Laden Poster einiger Filme, die beim Filmfestival im Februar gezeigt wurden: Peckinpahs „The Wild Bunch“, Polanskis „Chinatown“, Coppolas „The Godfather“. Aber auch die Laufkundschaft will bedient sein, die Touristen, die einfach mal hereinschauen wie in den anderen Galerien der Hackeschen Höfe auch und ein ausgefallenes Mitbringsel suchen. Für die gibt es eine Grabbelkiste mit Angeboten von drei Euro aufwärts.

Manchmal aber unterliegt der Händlerinstinkt der Sammelleidenschaft. Bevor er den „Schrecken vom Amazonas“ weggab, wanderte Helmut Hamm erst mal eine Viertelstunde im Flur hin und her, aber 5000 Euro waren nun mal 5000 Euro. Doch das amerikanische Originalplakat zu „Creature from the Black Lagoon“ verkaufen? Nie und nimmer!

Filmposter.Net., Hackesche Höfe Hof VII, Rosenthaler Straße 40/41 in Mitte, Telefonnummer 30824953, Dienstag bis Freitag 13 bis 19 Uhr, Sonnabend 11 bis 17 Uhr. Näheres im Internet unter www.filmposter.net.

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