Berlin : Kurzmeldungen

Klaus Kurpjuweit

PRO

Was für eine Frage! Selbstverständlich sollte die Bahn weiter alles unternehmen, um der unsäglichen Taubenplage in der Stadt Herr zu werden. Und sei es nur unter den Bahnbrücken. Dazu gehört auch das Spannen von Netzen. Wenn diese richtig und sorgfältig angebracht werden und entsprechend kleine Maschen haben, wird sich darin auch kein Tier verfangen, das dann elendiglich verenden würde, wie Tierschützer lamentieren. Und Tauben sind doch angeblich so schlau; sie merken dann auch schnell, wo es keinen Platz mehr für sie gibt. Die Stadt bietet – leider – immer noch zu viele Ausweichquartiere. Klar, es hat schon Netze gegeben, in denen die Tiere hängen geblieben sind. Das ist gewiss kein schöner Anblick. Hier ist dann aber beim Anbringen der Netze gepfuscht worden. Und gute Modelle kosten auch gutes Geld. Das sollte die Bahn aber auch aufbringen, selbst wenn man darüber streiten kann, wer warum bei welchen Brücken für den Schutz vor dem Taubenkot zuständig ist. Denn dabei geht es schließlich nicht nur um die Bauwerke. Es macht einem Fußgänger nicht den geringsten Spaß, unter einer Brücke durchzulaufen, unter der sich der Taubenkot auf der Straße sammelt. Denn man muss ja jederzeit damit rechnen, dass ein neuer Haufen von oben kommt, der auf dem Kopf oder auf der Kleidung landet. Und das ist einfach ekelhaft. Also gibt’s nur eins: Her mit den Netzen, wo immer es möglich ist, die Tauben abhalten, aber nicht einfangen. Das ist uns nicht nur die Bahn schuldig.

CONTRA

Tauben sind possierliche Tierchen – wenn sie zu Friedensdemo-Zwecken losflattern dürfen, uns auf der Piazza in den Italienurlaub gurren oder Briefchen am Bein transportieren. Doch dann landen sie, vermehren sich – und sie verdauen. Stadttauben gelten spätestens als Ungeziefer, wenn sie sanierte Brücken oder Bahnhöfe vollkacken. Was tun? Krieg führen wie die S-Bahn? Spieße auf Gesimsen montieren, Netze spannen, Drähte unter Strom setzen? Anbieter der kleinen, feinen Folterinstrumente machen prächtige Geschäfte. Doch in Netzen, die nicht ständig gewartet werden, verrecken Tauben qualvoll. An Drähten verletzen sie sich. All jene Maßnahmen verlagern das Problem nur – auf unbewehrte Gebäude. Und nebenbei gesagt verbietet Paragraph 13, Abs. 1 des Tierschutzgesetzes Vorrichtungen „zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren“. Danken wir also der Bahn, die aus Kostengründen kapituliert? Keineswegs. Die Stadttauben-Plage ist ein von Menschen gemachtes Problem. Stadttauben sind „entflogene Haus- und Rassetauben, ausgebliebene Brieftauben sowie deren Nachkommen“ hat die Tierärztliche Hochschule Hannover nachgewiesen. Beseitigen wir also lieber die Ursachen: Taubenzucht und „Taubensport“ zum Beispiel. Nehmen wir uns ein Beispiel an Städten wie Aachen oder Augsburg. Die haben gezielt Nistplätze angelegt, gefüttert, Geburtenkontrolle durchgeführt – mit Hormonpillen und dem Austausch von Eiern in Brutstätten. Zu viel Aufwand? Billiger als Netze allemal. Und humaner sowieso. Susanne Leimstoll

WAS MEINEN SIE?

Sollen Bahnbrücken mit Netzen vor Tauben geschützt werden?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.meinberlin.de/ted

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