Berlin : Kurzmeldungen

Sabine Beikler

HINTER DEN KULISSEN

Redeliste statt Rednerliste, Sprecherinnen oder Sprecher, er und sie: „Gender Mainstreaming“ – also die Geschlechtergleichstellung – ist in diesen wahnsinnig unemanzipierten Zeiten groß in Mode. Bald wird auch die Geschäftsordnung des Parlaments sprachlich der Gleichstellung angepasst und Fraktionsmitarbeiter wie Thorsten Metter von der SPD-Pressestelle haben sogar schon ein offizielles „Genderkompetenztraining“ (mit Diplom!) absolviert. Da wollten die Senatoren den Abgeordneten nun in nichts nachstehen und ließen sich in Sachen Gender Mainstreaming unterrichten. Es ist nicht sicher, ob sich dadurch vieles im Verwaltungsablauf ändert, weil ohnehin kaum ein Mitarbeiter die Definition von Gender Mainstreaming kennt. Es gibt aber einen Senator, der in dieser Woche schon gesagt hat, dass der Gender-Mainstreaming-Kurs bei ihm „zu keinem nennenswerten Erfolg“ geführt habe – und das ist Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). Der Kommentar eines männlichen Senatskollegen: „Thilo ist der Ober-Chauvi.“ Oh, diese Frauenversteher!

Heißer Tipp für die nächsten Protestbesuche bei Politikern – wie im März, als Demonstranten vor den Wohnungen von Walter Momper in Kreuzberg und den PDS-Politikern Carl Wechselberg und Stefan Liebich in Prenzlauer Berg gegen die Haushaltspolitik demonstriert hatten. Stefan Liebich ist umgezogen und wohnt jetzt in der Karl-Marx-Allee. Der 31-jährige Sozialist lässt aber ausrichten, dass seine Gesinnung nichts mit dem früheren Namen seiner neuen Adresse zu tun hat. Bis zum 13. November 1961 hieß die Karl-Marx- noch Stalinallee.

Grünen-Politikerin Alice Ströver trägt neuerdings den Spitznamen „Mutter der verlassenen Symphoniker“. Die Kulturpolitikerin engagiert sich sehr für die Rettung des Orchesters, das der rot-roten Sparpolitik zum Opfer gefallen ist. Als Alice Ströver allerdings rund 5000 Symphoniker-Freunde in dieser Woche zu einer Rettungs-Veranstaltung ins Abgeordnetenhaus eingeladen hatte, wurde es den Fraktionsmitarbeitern ganz schön mulmig. 5000 Leute! In den großen Saal passen höchstens 200 bis 300. Gekommen waren dann aber keine Massen, sondern ein „typisches Konzertpublikum“, wie Alice Ströver erfreut feststellte. Die Rettungsaktion geht jetzt in die nächste Runde: Mit dem professionellen Fund-Raising-Organisator Frederick Shepperd aus den USA wollen die Symphoniker-Freunde jetzt viel Geld sammeln.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben