Berlin : Kurzmeldungen

Werner van Bebber

PRO

Wer an den Berliner Stadträndern mit dem Bus unterwegs ist, wähnt sich auf dem flachen Land: Nicht viel Kundschaft, kein Tempo und logischerweise ein Fahrplan, den man ernst nehmen sollte. Wer nämlich einfach so in guter Hoffnung auf einen schnellen Transport zur nächsten Haltestelle geht, wird möglicherweise sehr lange warten müssen. Das hat keine Zukunft und wenig Sinn. Die BVG, die nun ohnehin eine mittlere Fahrplanrevolution plant, ist deshalb gut beraten, wenn sie diese Revolution an den Rändern Berlins ein bisschen radikaler plant: Sie könnte sich den einen oder anderen Doppelstockbus, der wie ein Traktor über die Straßen schleicht, um nur ja nicht zu früh an der nächsten Haltestelle anzukommen, einfach wegdenken. Das heißt nicht, dass man die Haltestellen abreißen soll, im Gegenteil. Gerade die Stadtrandlinien bieten sich für den Großversuch an, den die BVG nach Maßgabe der Politik nun endlich machen soll. Diese Buslinien könnten doch ausgeschrieben und damit sozusagen privatisiert werden. Dann wird vieles möglich, was längst sinnvoll wäre: Man könnte kleine Busse einsetzen, man könnte eine Linie halbieren und Shuttles fahren lassen, wenn es sich lohnt. Man könnte, je nach Tageszeit auf Kombinationen zwischen Bussen und Taxen kommen oder Sammeltaxen ausprobieren. Denkbar wäre vieles, das den Bedürfnissen der Leute eher entspricht als 19 Minuten auf einen riesengroßen Bus zu warten, der schnaufend seiner Beförderungspflicht nachkommt.

CONTRA

Dass auf die BVG geschimpft wird, gehört in Berlin fast schon zum guten Ton. Hört man sich bei Bewohnern am Stadtrand um, die weitab vom U-Bahn-Netz wohnen und auf die Benutzung der Busse angewiesen sind, dann gehen die harschen Töne weit über das übliche Gemecker hinaus. Diese BVG-Benutzer – oft alte Menschen, die ohnehin nicht mehr so mobil sind – fühlen sich schlicht und einfach vernachlässigt. Sie klagen darüber, dass in den Randbereichen der Fahrplan in den letzten Jahren ordentlich ausgedünnt wurde und die Busse in größeren Zeitabständen fahren. Wenn da einmal ein Bus verpasst wird, weil dieser den Fahrplan nicht eingehalten hat und zu früh losgefahren ist, dann heißt das nämlich, sehr, sehr lange warten zu müssen. Solche Erfahrungen verärgern die Fahrgäste sehr. Aber auch um die Zufriedenheit dieser Kunden müssen sich die Verkehrsbetriebe kümmern.

Auf keinen Fall darf deswegen der Ausbau der Metrolinien zu Lasten des Stadtrandes gehen. Als Beförderungsmonopolist hat die BVG die Pflicht, nicht ganz so lukrative Strecken zu bedienen. Denn die dort lebenden Menschen haben keine Alternative, wenn sie nicht aufs Auto ausweichen wollen. Es ist doch illusorisch zu glauben, dass sich gerade solche Strecken privatisieren lassen. Welches Unternehmen würde Busse fahren lassen wollen, wenn damit kein Geld zu verdienen ist. Nein, das wird die BVG schon weiter übernehmen müssen, und zwar zu einem Standard, der auch am Stadtrand zufriedene Kunden schafft. Sigrid Kneist

WAS MEINEN SIE?

Sollen die Buslinien der BVG in den Randbezirken ausgedünnt werden?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.meinberlin.de/ted

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