Berlin : Kurzmeldungen

Die Beamten fackelten nicht lange: Schnelle Festnahmen und Platzverweise für unbelehrbare Randalierer

Jörn Hasselmann

Weniger Flaschen sind weniger Flaschenwürfe. Die Polizei hatte in der Walpurgisnacht am Mauerpark – traditionell der Auftakt für die Mai-Krawalle – einen im Vergleich zum Vorjahr ruhigen Einsatz. Das hatte zwei Gründe: Das Verbot von Flaschen und Dosen im Park wurde erstaunlich konsequent umgesetzt – und die Polizei holte ebenso konsequent Straftäter sofort aus der Menge. Festgenommen wurden 83 Randalierer; zur Gefahrenabwehr vorübergehend in Gewahrsam kamen weitere 31 Personen. Nur vereinzelt flogen zwischen Mitternacht und drei Uhr früh Flaschen, vor allem auf der Eberswalder Straße vor dem Park. Die überwiegend stark alkoholisierten Jugendlichen und Heranwachsenden warfen völlig unkoordiniert Flaschen in verschiedene Richtungen, gefährdet waren dadurch nicht nur Polizisten, sondern auch die etwa 2000 Schaulustigen, die sich vor dem Park versammelt hatten – darunter auch der harte Kern von militanten Autonomen. Drei Polizisten wurden leicht verletzt, die Feuerwehr fuhr 16 Festbesucher mit Kopfplatzwunden oder Alkoholvergiftung in Kliniken. Friedlich endete zuvor die Demo „Kommunismus statt Europa“. Unter den 800 Teilnehmern waren nach Angaben des Einsatzleiters der Polizei, Alfred Markowski, etwa 50 polizeibekannte militante Autonome.

Im Vorjahr hatte es im Mauerpark anders ausgesehen. Fünf Minuten vor Mitternacht hatte ein halbstündiger Flaschen- und Steinhagel auf die Polizei eingesetzt, daraufhin mussten Wasserwerfer und Schlagstock eingesetzt werden. In diesem Jahr konnte auf schweres Gerät und Schlagstock verzichtet werden. Die polizeibekannten Unruhestifter wurden von speziellen Festnahmetrupps auch aus Ansammlungen heraus ergriffen. Diese Trupps hatten sich im Umfeld des Mauerparks taktisch günstig, aber unauffällig im Gebüsch oder hinter Plakattafeln postiert; diese Art von Festnahmen war zuvor extra geübt worden. Die Hinweise auf Straftäter erhielten die Trupps von den vielen Zivilfahndern in der Menge. Wie es hieß, soll die Zusammenarbeit besser geklappt haben als früher. Zudem waren, wie von der Polizei angekündigt, wesentlich mehr Videoteams im Einsatz. Neben den Festnahmen wurden gegen 85 Personen so genannte Platzverweise ausgesprochen. Ihre Namen wurden erstmals in einer speziellen Datenbank gespeichert und ihnen wurde zugleich verboten, am 1.Mai Kreuzberg zu betreten.

Überraschend unproblematisch gestaltete sich das „Abschöpfen“ der gefährlichen Gegenstände, sprich Flaschen und Dosen. Erstmals hatten die Polizei und der Bezirk für die Walpurgisnacht ein derartiges Verbot im und um den Mauerpark erlassen. Durchgesetzt wurde dies jedoch nur im Park. Zwar maulten einige betrunkene Punks herum, als sie ihre Flaschen abgeben mussten, die meisten Park-Besucher akzeptierten jedoch die vom Bezirk gespendeten Plastikbecher zum Umfüllen des Alkohols. Letztlich hat der Bezirk dadurch immense Reinigungskosten gespart. Denn im Vorjahr war die Grünanlage übersät von zersplitterten Bierflaschen. Im Auftrag der Polizei fing die BSR schon vor Mitternacht an, auf der Eberswalder Straße Flaschenberge wegzuräumen – und damit potenzielle Wurfgeschosse. Und noch etwas hatte die Polizei organisiert: Im Jahn-Stadion brannte die ganze Nacht Licht – verstecken konnte sich im Mauerpark keiner mehr.

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