Berlin : Kurzmeldungen

Gerd Nowakowski

CONTRA

In Reinickendorf und Zehlendorf werden sich Lokalpolitiker und Bürger bedanken für die Idee, jetzt einen Teil des Bezirkshaushalts in die Armutskieze in Kreuzberg oder Neukölln umzulenken. Insbesondere Reinickendorf hat gezeigt, wie man einen Bezirk, dem der vorherige Sozialatlas noch gravierende Probleme bescheinigte, wieder attraktiv machen kann für Mittelschichts-Familien mit Kindern. Das sind Zukunfts-Investitionen. Wegen der rigorosen Sparpolitik des Senats sind aber auch die Kassen in den besser gestellten Bezirken leer. Es ist deshalb nicht einzusehen, dass Bezirke, die es schaffen, ihre sozialen Brennpunkte zu entschärfen, dafür bestraft werden, dass sie nun die Problem-Kieze alimentieren müssen. Dass den sozial schwierigen Quartieren geholfen werden muss, auch finanziell, ist unabweislich; eine Umverteilung von „reicheren“ zu armen Bezirken aber kann nicht die Lösung sein. Das ist eine Aufgabe des Landes. Eine koordinierte Jugend-, Wirtschafts- und Gesundheitsförderung kann nur der Senat leisten – und finanzieren. Den Armuts-Quartieren ist nicht allein mit mehr Geld zu helfen. Nur mit einer zugleich fordernden wie fördernden Politik kann es gelingen, Eltern dazu zu bringen, ihre Kinder in Kindertagesstätten zu schicken, sich um deren Sprachbildung zu kümmern und jene Entwicklungsmöglichkeiten wahrzunehmen, die den Sprösslingen eine Zukunft jenseits der Sozialhilfe ermöglicht. Solches zu fordern aber hat sich der Senat jahrelang gedrückt.

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