Berlin : Kurzmeldungen

Ulrich Zawatka-Gerlach

PRO

Es gibt arme und reiche Staaten. Es gibt arme und reiche Länder und Kommunen. Und in Berlin gibt es ein paar Bezirke, die finanziell und sozial auf der Rutschbahn sind, während sich andere Stadtregionen noch einigermaßen halten können. In Steglitz-Zehlendorf oder in den grünen Lagen Köpenicks oder Pankows geht es den Menschen in der Regel besser als in Neukölln, Kreuzberg oder Marzahn. Auf staatliche Hilfen können sie eher verzichten als die Bewohner der richtig armen Bezirke. Viel Geld ist nirgendwo mehr zu verteilen, und es wäre auch falsch, einer Gleichmacherei das Wort zu reden. Aber schrumpfende Wirtschaftskraft, Massenarbeitslosigkeit und fehlende Bildung, die soziale Missstände erzeugen, müssen punktgenau dort bekämpft werden, wo sie entstehen. Einen – halbherzigen – Finanzausgleich zwischen den Bezirken gibt es leider erst seit wenigen Jahren. Er kam zu spät und zeigte bisher kaum Wirkung, weil zu wenig Geld umverteilt wurde. Wenn sich daran nichts ändert, wird ein Teil der Stadt in absehbarer Zeit seine Existenzgrundlagen verlieren. Dann gäbe es nur noch zwei Möglichkeiten: Die verslumten Bezirke endgültig aufgeben, während sich die wohlhabenden Regionen Berlins abschotten. Das wäre eine neue Teilung der Stadt. Oder das „verarmte Berlin“ wird irgendwann mit gewaltigen finanziellen Anstrengungen saniert; was am Ende sehr viel teurer käme als jetzt für einen Wertausgleich zu sorgen, der diese Bezeichnung verdient.

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