Berlin : Kurzmeldungen

Sandra Dassler

PRO

Beim Edel-Italiener in der Friedrichstraße soll Penelope Cruz, die Ex-Freundin von Tom Cruise, unlängst furchtbar geweint und immer wieder gestammelt haben: „Tell me why?“ Wir wissen nicht, was Cruise darauf geantwortet hat – die Frage „Sag’ mir, warum?“ liegt in diesen Tagen aber vielen Deutschen auf der Seele: Warum nur hat Bundestagspräsident Wolfgang Thierse die Dreharbeiten für eine kleine Szene von „Mission Impossible III“ in der Reichstagskuppel verboten? War es wirklich nötig, dem Rest der Welt sämtliche Klischees über die ernsten, bürokratischen und humorlosen Deutschen so nachhaltig zu bestätigen? Warum nur hat Thierse die einmalige Gelegenheit ausgeschlagen, Millionen US-Amerikanern schlagartig klarzumachen, dass es in Deutschland inzwischen eine Demokratie und sogar ein Parlament gibt? Deutsche Bundeskanzler, Außenminister oder Goethe-Institute werden dazu vermutlich noch Jahrzehnte benötigen. Und weshalb sollten diese Dreharbeiten die „Würde des Parlaments“ verletzen? Wer sich selbst zu ernst nimmt, kann nicht wirklich ernst genommen werden. Außerdem: Denken deutsche Politiker an ihre Würde, wenn sie sich zum Affen machen und für ein Pressefoto mit denselben und allen möglichen anderen Tieren posieren, wenn sie in den nun endlich sauberen Rhein steigen oder nebst Gräfin in einen Pool? Und deshalb: Lass’ drehen, Wolfgang! Ein Schauspieler mehr kann dem deutschen Parlament nun wirklich nicht schaden.

CONTRA

Anderenorts wäre das keine Frage wert. Für die Abgeordneten der französischen Nationalversammlung oder des britischen Unterhauses wäre es undenkbar, das Haus als Kulisse für einen Hollywood-Film herzugeben. Der Sitz des britischen Parlaments ist dennoch nicht ganz unbekannt. Berlin tut sich schwerer; die parlamentarische Tradition – und das Selbstbewusstsein – sind in der neuen Hauptstadt noch nicht gefestigt. Tom Cruise zu verweigern, in der Reichstagskuppel zu drehen, ist richtig. Die Würde des Ortes verträgt es nicht, eine Filmkulisse abzugeben. Allerdings sollte das dann konsequent gelten – keine Genehmigungen darf es künftig für Filme wie „Die schnelle Gerdi“ geben, nur weil sich darin Bundespolitiker selbst darstellen können. Aber die weltweite Werbung für Berlin, wenn Kinogänger auf allen Kontinenten sehen, wie Tom Cruise akrobatisch über dem Plenarsaal hängt? Der Bundestag in seinem neuen Haus hat es dank des Architekten Norman Foster auch so zu weltweiter Bekanntheit gebracht. Drei Millionen Menschen stiegen ihm 2003 aufs Dach. Und Christos Verhüllung? Die markierte die Zäsur zwischen dem unbenutzten alten Reichstag und dem noch zu bauenden neuen Parlament, und sie stellte das Haus in den Mittelpunkt. Das Parlament selbst war der Star – und nicht nur Spielplatz für einen Filmstar. Im übrigen: Schon der zweite Teil von „Mission Impossible“ war so schlecht, da möchte man den Reichstag nicht in der noch langweiligeren dritten Folge sehen. Gerd Nowakowski

WAS MEINEN SIE?

Sollte das Filmen im Reichstag erlaubt sein?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.meinberlin.de/ted

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