Berlin : Kylie Berlin

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies entdeckt das Geheimnis der Hauptstadt

Da haben die Leute draußen im Land nun immer gegrübelt: Was hat Berlin, was wir nicht haben? Große Fresse, pleite bis ins Jahr 3000, kriegt nichts wirklich auf die Reihe – und trotzdem wird es geliebt in aller Welt. Es war an Klaus Wowereit, das Rätsel zu lösen, und er hat es bezeichnenderweise in „Focus Money“ gelöst, dem Blatt für den avancierten Pfennigfuchser. Berlin ist arm, hat er gesagt, aber sexy.

Hm. Arm, aber glücklich, das hätten wir ohne Widerrede akzeptiert. Aber kann arm sexy sein? Und was genau könnte es bedeuten? Dass die Stadt ihren gepiercten Schloßplatz blinken lässt, den Doppelhaushalt 2004/2005 auf Superminilänge kürzt und in den Verhandlungen zum Finanzausgleich auch schon mal praktisch nackt auftritt? Und ist das wirklich verlockend – oder angesichts all der Falten eher abschreckend?

Sexy: Das könnte natürlich auch heißen, dass Berlin generell einladend auf seine erotischen Vorzüge hinweist und also beispielsweise das zurückhaltende Brandenburg zur Fusion aufzureizen versucht. Denn wenn das erst gelungen ist, versucht alsbald die ganze Welt, der städtischen Schönen verstohlen unter den Rock zu lugen: Berlin, die Kylie Minogue unter den Städten der Welt.

Wowereit, soviel ist klar, gibt ihr schon jetzt all sein Geld. Sparen liege ihm nicht, sagte er im Interview, „ich kurbele lieber die Wirtschaft an“. Merke: Ankurbeln – das ist auf jeden Fall sexy.

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