Berlin : La-Belle-Opfer hoffen jetzt auf Entschädigung

Annekatrin Looss

Die Urteilsverkündung im Prozess um den Anschlag auf die Diskothek La Belle gibt auch den Opfern neue Hoffnung auf eine baldige Entschädigung. Sobald die schriftliche Urteilsbegründung vorliege, werde man sich erneut an die Bundesregierung wenden, sagt Nebenklage-Anwalt Axel Schirmack. Die Hoffnung von Schirmack auf eine schnelle Entschädigung der Terroropfer ist dennoch gedämpft. Möglicherweise wolle die Bundesregierung zunächst warten, bis das Urteil rechtskräftig ist, fürchtet er. Und das könne weitere vier Jahre dauern. Schließlich habe die Staatsanwaltschaft sofort Revision eingelegt.

Auch Nebenklage-Anwalt Hans-Joachim Ehrig forderte gestern die Regierung auf, sich für eine Entschädigung der Opfer einzusetzen, nachdem nun eine Mitschuld Libyens festgestellt worden sei. Die Regierung stehe im Wort: Das Auswärtige Amt habe mehrfach betont, handeln zu wollen, sobald das Urteil vorliege.

Die Bundesregierung forderte die libysche Regierung indes auf, sich der Verantwortung für den Anschlag zu stellen und die Opfer zu entschädigen. Die Betroffenen hätten ein Recht darauf, zumal Libyen auch in anderen Fällen Entschädigung geleistet habe. So zahlte die libysche Regierung 30 Millionen Dollar an die Angehörigen der 170 Menschen, die bei einem Anschlag libyscher Terroristen auf ein französisches Flugzeug 1989 ums Leben gekommen waren.

Die Opfer des La-Belle-Anschlages warten jedoch auch fast 15 Jahre nach dem Attentat noch vergeblich auf eine Entschädigung. Anwalt Schirmack macht dafür auch die gedeihlichen Geschäftsbeziehungen zwischen Libyen und Deutschland verantwortlich. Offenbar seien diese wichtiger als die Entschädigung der Opfer. Während Deutschland jährlich Waren im Wert von einer Milliarde Mark nach Libyen exportiert, ist der Wüstenstaat der viertgrößte Erdöllieferant für Deutschland. Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels erwartet nach der Urteilsverkündung eine "schwierige Phase" im deutsch-libyschen Handel. Der Koordinator des Deutsch-Libyschen Wirtschaftsforums Wolfgang Englert, betonte dagegen, das Urteil werde keinerlei Auswirkungen haben. Die wirtschaftlichen Beziehungen seien seit Jahren sehr gut.

Die La-Belle-Opfer haben davon jedoch wenig. Die einzige Entschädigung, die sie bislang erhalten haben, waren Geldbeträge in Höhe von 100 bis 500 Mark. Die zahlte der Weiße Ring für die bei dem Anschlag beschädigte Kleidung. Als Nächstes werde man sich mit der Frage beschäftigen, wie eine solche Entschädigung aussehen könnte, sagte Opfer-Anwalt Schirmack. Denkbar wäre ein pauschaler Betrag ebenso wie Zahlungen an einzelne Personen. Die Höhe sei dann von der Art und Zahl der Verletzungen abhängig. Die Schäden an Körper und Seele seien noch heute immens, sagt Schirmack. Er vertritt neben der Ehefrau und dem Sohn des an den Folgen des Anschlages verstorbenen James Goins zwei weitere Amerikaner und vier deutsche Opfer. Viele litten seitdem an Platzangst und übermäßiger Schreckhaftigkeit. Auch würden die zahlreichen Brandnarben die Betroffenen immer wieder an das Attentat erinnern. Eine seiner Klientinnen brauche seit dem Anschlag außerdem ein Hörgerät, das rund 10 000 Mark kostet.

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