Berlin : Lachen, bis der Zug kommt: Wer hat an der Uhr gedreht?

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Eine Uhr auf dem S-Bahnhof Südkreuz geht seit einer knappen Woche acht Minuten nach, worauf eine Leuchtschrift unter derselben Uhr hinweist. Nachdem der Tagesspiegel diesen Service am Sonnabend mit einer Glosse gewürdigt hatte, fand die Sache ihren Weg in das Internetforum der Berliner Bahnexperten und Beschäftigten der Branche, wo sie zu einem der meistdiskutierten Themen wurde. Angesichts dieser offenkundigen Bedeutung scheint eine Zusammenfassung der Debatte geboten, die nebenbei viel über Technik und Betriebswirtschaft lehrt. Bitte sehr.

Einer wunderte sich, dass man die Uhr nicht stilllegt. Worauf ein anderer erwiderte, dass man sie auch stellen könnte. Was wiederum die Frage nach dem Wie aufwarf: Rechner mit dem Zeitimpuls umprogrammieren? Oder auf die Leiter steigen und am Zeiger drehen? Lieber nicht, schrieb jemand, nur halb im Ernst: wäre versicherungstechnisch heikel und könnte rechtliche Konsequenzen des Eigentümers nach sich ziehen. Die S-Bahn ist laut der Expertenrunde nämlich nur Mieter im Bahnhof, „ebenso wie die Backbude“. Deshalb müsse die uhrbetreuende Firma wohl einen Auftrag bekommen, wobei auch eine europaweite Ausschreibung denkbar wäre. Ob dabei die Leistung „Bahnhofsuhren stellen“ im Allgemeinen oder „Uhr am Südkreuz Gleis 11 acht Minuten vordrehen“ im Speziellen auszuschreiben ist, bleibt offen.

Nachdem am Dienstag bereits der zunächst rumplige Hinweistext von Schreibfehlern befreit und klanglich geschmeidiger gestaltet wurde, löste die Bahn gestern das Rätsel: Das Empfangsmodul in der Funkuhr werde in den nächsten Tagen ausgetauscht, weil es das Signal der Zentral- Uhr aus Braunschweig nicht richtig verarbeite. Ein Garantiefall, sagte ein Bahnsprecher. Bleibt nur noch die Frage, ob das Ersatzteil pünktlich eintrifft. obs

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