Berlin : Lachs trifft Würstchen

Eine Ausstellung zeigt 100 Jahre deutsch-norwegische Begegnungen

Christian Tretbar

Dass es „Schnappi“ einmal ins Museum schaffen würde, hätte wohl auch keiner gedacht. Aber jetzt ist es soweit. Im Museum für Kommunikation liegt die Schallplatte des grünen Krokodils unscheinbar in einer Vitrine zusammen mit Platten von den Scorpions, Kraftwerk und Turbonegro aber auch A-ha, Boney M. und Wencke Myrhe. Was sich nach einem wilden Mix anhört, ist in Wahrheit eine deutsch-norwegische Begegnung. Und um die geht es in der Sonderausstellung „Nicht nur Lachs und Würstchen. Hundert Jahre deutsch-norwegische Begegnungen“, die gestern feierlich eröffnet wurde und bis zum 28. Januar 2007 im Museum für Kommunikation zu sehen ist.

Beide Länder sind eng miteinander verbunden. Berlin war für norwegische Künstler bereits Anfang des 20. Jahrhunderts eine wichtige Anlaufstelle. Dieser rege Austausch wurde mit der Okkupation Norwegens durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg zerstört. Erst mit Willy Brandt und später der Wiedervereinigung intensivierten sich die Beziehungen wieder. Mittlerweile sei Berlin zur wichtigsten Metropole für norwegische Künstler geworden.

Kunst und Alltagskultur mischen sich in der Ausstellung, die ironisch mit Vorurteilen und Klischees spielt. „Viele wussten gar nicht, dass Deutschland mehr zu bieten hat als zwei Kriege und eine gute Fußballmannschaft“, sagt Sonja Wiik, Kuratorin der Ausstellung, die bereits im vergangenen Jahr mehr als 50 000 Besucher in Norwegen anlockte. In Berlin wird die Ausstellung von zahlreichen Begleitveranstaltungen flankiert, ist aber etwas kleiner als in Norwegen. Trotzdem können sich die Exponate sehen lassen. Nicht weil sie besonders wertvoll oder teuer sind, sondern weil sie beide Kulturen mit Leichtigkeit und Witz einander näher bringen. Zu sehen sind Fußballtrikots von berühmten Spielern, alte Sardinenbüchsen und viele andere Dokumente der Zeitgeschichte.

Aber es geht auch um Kunst. Zu den bewegendsten Werken zählt die Arbeit „Fremdgehen“ von Lars Ramberg, der in Berlin lebt und im vergangenen Jahr für die Installation „Palast der Zweifel“ verantwortlich war. Damals prangte in riesigen Neonlettern das Wort „Zweifel“ auf dem Palast der Republik. Diesmal beschreibt er die Geschichten norwegischer Frauen, die mit deutschen Soldaten anbandelten und nach 1945 teilweise ausgewiesen wurden.

Höhepunkt der Ausstellung ist sicher das Werk „Der Mord an Andreas Baader“ von Odd Nerdrum. Ein Jahr nach dem Selbstmord des RAF-Anführers 1977 malte der Norweger dieses Bild, das damals einen großen politischen Skandal auslöste. Es zeigt Baader als heldenhaften Märtyrer an einem Andreaskreuz. „Heute geht man damit etwas entspannter um“, sagte Brockmann. Schnappi ein paar Meter weiter ist wohl ein Beleg dafür.

„Nicht nur Lachs und Würstchen. Hundert Jahre deutsch-norwegische Begegnungen“: Museum für Kommunikation, Leipziger Straße 16, Mitte. Bis 28. Januar. Weitere Infos: www.lachsundwuerstchen.de

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